Buddhistische Heilung

 

Hast Du Dich schonmal gefragt, ob man mit Meditation oder Buddhismus heilen kann? Oder was hat Heilung mit Erleuchtung zu tun? 

  • Du interessierst Dich für Buddhismus?
  • Du bist spirituell und gleichzeitig bodenständig?
  • Außerdem bist Du mitfühlend und hast ein offenes Herz?
  • Du willst Meditation für Deine ganzheiliche Heilung nutzen?
  • Du merkst, dass Meditation dir gut tut?
  • Du willst etwas über die Praxis der buddhistischen Heilung erfahren?
  • Du interessierst Dich für buddhistische Geheimlehren?

Herzlich willkommen, Du bist hier genau richtig in der buddhistischen Heilung.

Buddhistische Heilung

Einführung in die buddhistische Heilung

Buddhistische Rituale der Heilung werden kaji 加持 genannt. Dabei werden kontemplative Meditationen angewandt, bei dem sich der Adept mit einer Heilsgestalt wie etwa einem Buddha im Rahmen einer kontemplativen Meditation vereint und damit die heilende Kraft der Heilsgestalt in sich aufnimmt.

Woher kommst die Praxis der buddhistischen Heilung?

Diese Praxis geht in Japan bis auf das Jahr 834 zurück, in dem der Mönch Kûkai (774-835) zur Heilung, von Krankheiten und dem Schutz vor jedweder Form von Unglück den Tempel Shingon-in 真言院 im Kaiserpalast einrichtete. Seither wurde die Buddhistische Heilung durch die Jahrhunderte angewandt. Im heutigen Japan wird sie genutzt, um die westliche Medizin zu unterstützen. Nur selten kommt es vor, dass ein Schwerpunkt auf den Bereich von Medizin und Buddhistischer Geistheilung in der Erforschung der japanischen Geschichte gelegt wird. Eher gibt es einen Fokus auf die chinesische Medizin (kanpô 漢方) in Japan vom sechsten bis zum sechszehnten Jahrhundert, wobei Kûkais Beiträge der Geheimlehren aus dem neunten Jahrhundert und die daraus resultierenden Entwicklungen der Siddhaṃ (Keimsilben) in Ritualen der Heilung bis zum 14. Jahrhundert fast vollständig ausgelassen werden, als hätten sie nie einen Einfluss auf den Kaiserhof in der Hauptstadt und den Hofadel auf dem Lande ausgeübt. Die buddhistische Literatur der Shingon Schule hingehen beschreibt, dass es durch Rituale und Meditationen der Heilung mit den Siddhaṃ wie etwa der Kaji-Rituale möglich sei, Krankheiten zu heilen und vorzubeugen.

Synonyme der buddhistischen Heilung

Verglichen mit den Begriffen für Heilung wie etwa sokusai 息災 (Heilung mit der Kraft eines Buddhas) und chôbuku 調伏 (buddhistischer Exorzismus), mit denen die konkrete Wirkung ausgesprochen wird, bezieht sich kaji direkt auf das Ritual der Buddhistischen Heilung, dem dann je nach Ausführung verschiedene Wirkungen zugesprochen werden.

Kontemplative Meditation der Heilung mit Kaji

Die Kontemplative Meditation Ajikan 阿字観 ist im Tantrischen Buddhismus Japans als das grundlegende Kaji-Ritual der Heilung bekannt. Dieses lässt sich für die Selbst- und Fremdheilung einsetzen.

Kaji setzt sich aus den Schriftzeichen ka mit der Bedeutung hinzufügen, zunehmen und vergrößern und ji mit der Bedeutung halten, besitzen und hegen zusammen.  Bezogen auf den Tantrischen Buddhismus deutet kaji auf einen Segen hin, der den Adepten mit der Kraft der erleuchtenden Buddhaschaft erfüllt bzw. energetisiert, indem er die Kraft des Großen Sonnenbuddhas Dainichi Nyorai 大日如来 durch Verschmelzung mit ihm in sich aufnimmt. Da Dainichi Nyorai für die Kraft der Sonne steht, erklärt Kûkai kaji etymologisch in seinem Text Sokushin jôbutsu gi 即身成仏義 (Lehre der Erlangung der Buddhaschaft im Körper der gegenwärtigen Inkarnation), dass die Sonne des Buddhas im Wasser der Herzen alle fühlenden Wesen ka (hinzufügen) genannt wird. Das Wasser des Herzens des Adepten erlebt die Sonne des Buddhas und wird ji (halten, besitzen) genannt.

Demnach ist das erste Kanji ka das Hinzufügen der Kraft des Dainichi Nyorai, die als Sonnenlicht beschrieben wird, zu der eigenen Kraft. Im japanischen Mahāyāna Buddhismus wird davon ausgegangen, dass die Erleuchtung einem Wesen im Grunde inhärent ist, die meisten Wesen dies jedoch noch nicht realisiert haben. Wenn nun die Kraft von Dainichi Nyorai dem Adepten durch Verschmelzung mit ihm hinzugefügt wird, dann soll er sich damit an seine ursprüngliche und inhärente Erleuchtung erinnern können und somit sein vollständiges spirituelles Potenzial annehmen können. Mit dem zweiten Kanji ji ist das Annehmen und Verinnerlichen der Kraft des Dainichi Nyorai gemeint, mit der es möglich sei, die inhärente Kraft des Dainichi Nyorai auszudehnen. Damit beschreibt kaji den Zustand von nyûga ganyû 入我我入 (der Buddha kommt in mich, ich komme in den Buddha).

Gibt es ein Sutra der buddhistischen Heilung?

In den Sutras werden Kaji-Rituale zum Schutz, zur Prävention und zur Heilung von Krankheiten beschrieben. Dies sei durch die Übertragung des Lichtes des Buddhas möglich, welches jedwede ungünstige karmische Verstrickung als Ursache für Krankheiten hinweg brennen könne.

In der Namensgebung und im Inhalt des Sutras der großen Sonne Dainichi-kyô 大日經 zeigt sich eine weitere Schnittstelle zwischen Religion und Medizin. Dainichi-kyô ist die Abkürzung von Dai birushana jôbutsu jinpen kaji kyô 大毘盧遮那成佛神變加持經. Darin zeigt sich, dass der Kaji-Begriff als Ritual der Heilung bereits im Namen des Sutras enthalten ist. Inhaltlich bezieht sich das Sutra auf darin beschriebene rituelle Praktiken mit kaji, die das Erlangen des Herzens der Erleuchtung bodaishin 菩提心 zum Ziel haben.

Im Tantrischen Buddhismus ist die eigene Heilung eine Unterstützung auf dem Weg zur Buddhawerdung. Demzufolge wird die Erleuchtung mit einer vollständigen Heilung verglichen, weil durch das hellstrahlende Licht die Leid bringende Dunkelheit der Unkenntnis dessen entfernt wird. 

Der Adept der Buddhistischen Heilung wird während der Tätigkeit des rituellen Heilens mit Kaji-Ritualen für eine Weile in einen Erleuchtungszustand kentoku jôbutsu 顕得成仏 versetzt und mit Fähigkeiten der Wahrnehmung über das Befinden und den Heilungsweg des zu Heilenden gesegnet. 

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Meditation und buddhistische Geistheilung

Die meditativ-buddhistische Heilung beinhaltet geistige Übungen mit Meditationen, Kontemplationen und Rituale. Die Meditationen und Rituale bilden in Japan das technische Fundament in Ausbildungen zum Mönch im Tantrischen Buddhismus der Shingon und Tendai Schule.

Die hiesigen Meditationen haben sowohl spezielle Wirkungen, wie es die Namen der Meditationen verraten. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Wirkungen, die sich im Laufe der regelmäßigen Praxis ergeben können. So kann der Stoffwechsel angeregt und die Darmtätigkeit verbessert werden. Durch die Atmung bekommen die Organe den Raum im Bauch, den sie brauchen und werden gleichzeitig massiert. Das kann zur Folge haben, dass die Organe in ihrer Funktion unterstützt werden und die Entgiftung des Blutes und der Zellen angeregt werden. Auch Herz und Kreislauf werden unterstützt, so dass man sich auch in der Ruhe der Meditation bei minimaler Bewegung warm fühlt. Die Gedanken im Geist werden beruhigt und Spannungen können losgelassen werden.

Man spricht hier von der Heilung des Geistes, weil der Geist über den Körper steht und diesen sozusagen beeinflusst. Von daher hat die Buddhistische Heilung einen ganzheitlichen Ansatz, in dem erst der Geist und die Seele (im Japanischen gibt es für Geist und Seele den einen Begriff kokoro = spirituelles Herz) angesprochen werden und diese einen Einfluss auf den Körper ausüben. Durch Imagination, Kontemplation und Atmung werden Energien gesammelt, gebündelt und in die Bereiche des Seins gelenkt, wo sie gerade gebraucht werden. Mit speziellen Meditationen lassen sich konkrete Ziele der Buddhistischen Geistheilung verwirklichen. So kann man etwa mit der Friedensmeditation, mit all denen seinen Frieden schliessen, mit denen man glaubt, ein Problem zu haben. Das führt zu einem inneren Frieden und Gleichmut, so dass im Kopf wiederkehrende und umher kreisende Gedanken befriedet werden.

Die Meditationen werden im Sitzen, Gehen, Stehen und Liegen durchgeführt. Von daher können körperliche und geistige Übungen in einander übergehen oder einander unterstützen. In der Geschichte des Buddhismus haben sich von Indien bis nach Japan eine Vielzahl von Meditationen mit gesundheitsfördernden und gesundheitserhaltenden Funktionen für Körper, Geist und Seele entwickelt.

Buddhistischer Altar

Buddhistische Massage und Yoga

Manuelle buddhistische Heilung umfasst gymnastische Übungen und Massage-Techniken Zushin Anma 塗身按摩, in denen man passiv in Yoga-Positionen hinein bewegt, gedehnt und massiert wird.

Dabei sei zu erwähnen, dass Yoga mit dem Hinduismus und der Tantrische Buddhismus ihren gemeinsamen Ursprung im Brahmanismus haben. Das ist die vorbuddhistische bzw. vorhinduistische spirituelle Tradition Indiens mit den ältesten spirituellen Texten Welt, wie die der Veden und Upanishaden.

Der grundlegende Sinn der manuellen buddhistischen Heilung liegt darin, den Körper für die Meditations-Positionen vorzubereiten, aufzubauen und geschmeidig wie gesund zu erhalten. Das geht weit über normale Dehnübungen hinaus, weil die Durchblutung und der Kreislauf wie auch die Verdauung und weitere Funktionskreisläufe des Körpers über Bewegung, Atmung und Stimulierung der Energiebahnen wie etwa Nadis und Chakras angeregt werden. Die einzelnen Bereiche im Körper sind gleichzeitig Reflexzonen mit thematischen Schnittstellen zwischen Körper und Geist.

Buddhistische Massage

Der Weg der Heilung ist Ganzwerdung

Schaut man sich nun die alten Texte des Buddhismus an, so gibt es auf den ersten Blick kaum solche, die etwas mit Heilung im Buddhismus zu tun haben. Das liegt daran, weil der heutige Begriff der Heilung damals in Japan so nicht verwendet wurde. Erst durch die genauere Beleuchtung der Bedeutungen einzelner buddhistischer Fachbegriffe wurde deutlich, dass besonders im Tantrischen Buddhismus das Wesen der Heilkunst im Vordergrund steht. 

Heilung im Buddhismus ist das Streben nach der eigenen Urnatur, dem Erlangen des Herzens der Erleuchtung. Das Herz der Erleuchtung ist die ureigene Erkenntnis, dass das Herz (kokoro ) im Grunde rein und erleuchtet ist. Mit dem Herzen ist nicht das organische Herz sondern räumlich ein Ort in der Mitte der Brust gemeint, dem die Seele und der Geist innewohnen.  Dies wird bildhaft mit einem achtblättrigen Lotus verglichen. Die Lotusblüte steht für die Reinheit des Herzens und ist in ihrer biologischen Form dafür bekannt, dass sich auf ihr weder Staub noch Wasser absetzen kann. Diese Allegorie zeigt symbolisch, dass das ursprüngliche Herz nicht befleckt werden kann, und dass dieses einem jeden fühlenden Wesen innewohnt. 

Laut dem Sutra der Großen Sonne (Dainichi-kyô 大日経) ist das Herz immerwährend und unvergänglich. Das scheint auf dem ersten Blick im Widerspruch zur buddhistischen Lehre der Vergänglichkeit zu stehen. Im Tantrischen Buddhismus ist alles vergänglich außer das spirituelle Herz. Damit sind Herz, Seele und Geist in ihrer Urnatur gemeint. Es wird mit einem reinen und unzerstörbaren Diamant verglichen. Ähnlich wie ein Lotus soll es nicht möglich sein, ihn zu beflecken, anzukratzen oder gar zu entzweien. Im Zustand des reinen Diamanten, dem Herz der Erleuchtung, werden die Phänomene so wahrgenommen wie sie sind, ohne sie zu bewerten. Dies ist im Tantrischen Buddhismus der Zustand der Erleuchtung und gleich der eines vollständigen und heilen Zustandes im Herzen, den man auch als Glückseligkeit betrachten kann. Es ist das zu erreichende Ziel, dahin zu gelangen und dann diesen Zustand zu halten wie das Reiten einer Welle. 

Nun ist es jedoch möglich, dass durch die Erfahrungen zwischen dem Selbst und der Umwelt sich Schleier über das Herz legen. Das ist so, als würde man sich selbst ein Seidentuch vor das Gesicht halten. Dann kann man zwar noch sehen, allerdings nur noch durch die Konturen der Schleier. Diese Schleier vor den Augen sind die Bewertungen dessen, was im Außen wahrgenommen wird. So existieren eine objektive wertfreie Wahrheit neben subjektiven Wahrnehmungen der einzelnen Individuen. Durch die verzerrte Wahrnehmung entstehen Emotionen und Gedanken, die einen Anlass zu einer Handlung geben können. Lässt man sich davon leiten oder gar beherrschen, gelangt man im immer neue Verstrickungen, die früher oder später zu Leid und Krankheit führen können. 

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Geschichte der Buddhistischen Heilung

Der Tantrische Buddhismus kam in Indien in der Mitte des 7. Jahrhunderts auf. Die vollständige rituelle und schriftliche Tradition sind in den Sutras Soshicchi kyô 蘇悉地經,  Dainichi-kyô 大日經 und Kongôchô-gyô 金剛頂經 enthalten. Teils handelte es sich hier um zwei Bewegungen, die bald durch indische Mönche nach China überliefert und dort vereint wurden. In China kam es zudem teils zu einer gegenseitigen Beeinflussung mit dem magischen Daoismus, dessen Synkretismus von mehreren Mönchen nach Japan gebracht wurde. Das führte im Laufe der Jahrhunderte zu eigenen Weiterentwicklungen, welche die Geschichte der Buddhistischen Heilung maßgeblich beeinflussten.

Geschichte der Heilung im Buddhismus

Der Weg zur Buddhaschaft betrifft den gesamten Menschen als psychophysischen Komplex, in dem physische, emotionale und mentale Prozesse einander bedingen. Der Körper ist dabei ein Objekt der Kontemplation und Ort der Transformation. 

Alte Buddhistische Schriften und Manuale für die Meditation repräsentieren ein weites Spektrum an Meditationen mit dem Fokus auf den Körper. Einer der Schwerpunkte ist die Achtsamkeit in Bezug zur Atmung,  Körperhaltung, und Routineaufgaben. Ein weiterer ist die Analyse der Natur, indem der Körper in die vier Elemente Erde (alles Feste im Körper), Wasser (alles Flüssige im Körper), Feuer (Hitze) und Luft (Bewegung) aufgeschlüsselt wird. Solche Meditationen sollen dabei helfen, die Illusionen eines beständigen Selbstes aufzuheben. Darüber hinaus gibt es Kontemplations-Techniken auf 32 innere Bereiche im Körper, zu denen auch die inneren Organe wie etwa Leber, Galle, Lunge und Herz gehören.

Darin ist gleichzeitig ein detailliertes Wissen über die Anatomie und Funktionen des Körpers aus dem Brahmanismus enthalten, so dass religiöse Spezialisten im Rahmen ihrer Rituale als Heiler fungieren können.

In den buddhistischen Schriften Indiens spielen empirische und magisch-religiöse Medizin eine gleichbedeutende Rolle. Im zweiten Jahrhundert wurde damit begonnen, diese Schriften ins Chinesische zu übersetzen. Mit der Verbreitung des Buddhismus kamen diese Heilkünste durch buddhistische Mönche in Umlauf. 

Das Sutra des Goldenen Lichtes Konkômyô-kyô 金光明經 bezieht sich in mehreren Kapiteln auf Rituale der Heilung. In Kapitel 6 werden Baderituale mit Kräutern, Zaubersprüchen und Beschwörungen der magisch-religiösen Medizin beschrieben. In Kapitel 16 geht es um die Heilung von Krankheiten mit ayurvedischen Methoden. 

Im frühen Buddhismus lernten die Mönche Medizin und Heilung zunächst für sich. Später ging man dazu über, diese auch für andere anzuwenden. Dabei wurde der Aspekt der Heilung im Buddhismus ein Mittel zur Befreiung des Geistes und zu einer zu erlernenden Fähigkeit auf dem Pfad des Bodhisattvas, um durch die Heilung anderer sein Mitgefühl auszudrücken. Durch das Erlernen der Rituale der Heilung und der Anwendung ayurvedischer Techniken wurde es möglich, sowohl spirituelle als auch physische Leiden zu heilen. Bei den Ritualen der Heilung durch Hingabe und Verschmelzung mittels einer oder mehrerer Heilsgestalten in Mandalas kam es zur Nutzung von Mantras und Siddhaṃ, in denen mitunter der Name der Heilsgestalt als heilendes Wesen mit einbezogen wurde, welches das Herz beruhigen und die Erlangung der Buddhaschaft unterstützen soll.

Mit der Verbreitung der buddhistischen Heilung in China wurden Philosophie und Methoden der Heilung durch chinesische Praktiken und Konzepte ergänzt. Dazu gehören Akupunktur, Moxibustion, Pulsdiagnose und die Erweiterung der vier Elemente um das Element Äther bzw. Leere. 

Generell wurde der Begriff der Heilung in drei Bereiche unterteilt: erstens religiöse Heilung mit dem Glauben durch Einsichten, Mentaltechniken und Meditationen; zweitens magische Heilung mit Beschwörungen, Anrufungen und Exorzismus; drittens medizinische Heilung durch die Anwendung von Heilpflanzen, Diäten, Massage und Chirurgie.

Mit Ausnahme des dritten Bereichs wurden in Japan die Siddhaṃ für kontemplative Meditationen der Heilung und für magische Rituale der Heilung verwendet.

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Entwicklung der Buddhistischen Heilung in Japan

Besonderer Beliebtheit erfreut sich seit der Einführung des Buddhismus nach Japan im 6. Jh. der Medizinbuddha Yakushi Nyorai 薬師如来. Seine Verehrung begann in Zentralasien im späten dritten Jahrhundert und wurde im vierten Jahrhundert über die Seidenstrasse nach China und im siebten Jahrhundert nach Japan überliefert. Zusätzlich wurden Schriften über Kräutermedizin, Divination und Astrologie nach Japan gebracht.

Die bisher fremden buddhistischen Heilsgestalten wie etwa Buddhas und Bodhisattvas wurden von Anfang an als Wesen mit herausragenden Heilfähigkeiten angesehen, welche die einheimischen Heiler übertreffen würden. Mit ihnen wurden buddhistische Rituale zum Schutz vor bösen Kräften und zum Abwenden von Unheil und Heilung von Krankheiten durchgeführt. Seit dem 7. Jh. gingen Mönche zum Studium nach China, so dass es zu einer Optimierung der japanischen Heilmethoden kam.

Dabei wurde die Verehrung des Medizinbuddhas zur Heilung mit den indigenen magischen Praktiken der Purifikation und des Exorzismus kombiniert, wobei die Ursachen von Krankheiten auf Dämonen zurückzuführen seien.

Mit dem Medizinbuddha wurden ursprünglich Rituale zur Prävention und Heilung von Krankheiten für ein langes Leben und zum Erlangen der Buddhaschaft und für weltliche Interessen wie ein Leben in Wohlstand durchgeführt.

Dabei liegt der Fokus der Buddhistischen Heilung primär auf der Heilung der mentalen Vorstellungen, die von spirituellen Wachstum und der Erlangung der Buddhaschaft abhalten und sekundär auf der Heilung von physischen Leiden. In der meditativen und rituellen Praxis ging es bei der Heilung um die Verschmelzung mit der Heilsgestalt, um schädliche Kräfte abzuwehren und Krankheiten sowie deren Ursachen heilen zu können. 

Die medizinische Versorgung für das Volk wurde weitgehend von buddhistischen Mönchen durchgeführt, weil die Klöster auf das ganze Land verteilt waren und es zudem zahlreiche Wandermönche gab. Allerdings war den buddhistischen Mönchen und Nonnen weitgehend verboten, schamanische Praktiken fujutsu 巫術 durchzuführen, es sei denn, es handelte sich um Rituale der Heilung durch Mantras, Siddhaṃ, Beschwörung- und Bannformeln und Meditationen der Heilung.

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Philosophie der Buddhistischen Heilung

Philosophie ist der spirituelle Unterbau, um zu begreifen, wie Heilung im Buddhismus als Weg der Selbstheilung und als Heilmethode für andere möglich ist. Durch die Beschäftigung mit der Philosophie des Tantrischen Buddhismus werden manche Zusammenhänge im Leben und Alltag klarer und Spirituelles zur Förderung eines klaren Bewusstseins können leichter integriert werden. Aha-Erlebnisse können eine unmittelbare Heilung eines alten Themas auslösen.

Der Buddhismus ist zwar als eine Weltreligion bekannt, zwingt jedoch nicht zu einem uneingeschränkten Glauben. Vielmehr geht es darum, die praktischen philosophischen Konzepte durch eigene Erfahrungen überprüfen zu können. Von daher handelt es sich hier eher um eine Form der praktischen Philosophie bestehend aus Lehren mit meditativer sowie ritueller Praxis für verschiedene Zwecke, wobei das höchste Ziel als die Erlangung der vollständigen Erleuchtung bekannt ist.

Das Geheimnis der Drei Mysterien

Die Drei Mysterien bilden die Grundlage der Buddhistischen Heilung. Sie sind die Einheit von Körper, Rede und Sinn (shin ku i 身口意).

  • Der Körper kann sowohl die Körperhaltung als auch eine Handgeste (Mudra) sein.
  • Die Rede bezieht sich auf Worte im Sprachgebrauch oder Formeln (Mantras).
  • Der Sinn ist die visuelle Ebene, mit der ein Symbol wie etwa eine Mondscheibe auf einem Lotus oder ein Siddhaṃ visualisiert bzw. imaginiert wird.

Im Tantrischen Buddhismus wird davon ausgegangen, dass die gemeinsame Anwendung der  Drei Mysterien in Meditationen und Ritualen der Heilung die höchste Wirkung habe, weil damit eine Schnittstelle zwischen dem Spirituellen und dem Materiellen aufgebaut wird. So kann mit der rituellen Verwendung der Drei Mysterien von Körper, Rede und Sinn die spirituelle Heilkraft der buddhistischen Heilsgestalten wie etwa die der Buddhas oder Bodhisattvas gerufen werden. Dies erfolgt in der Regel in drei Stufen und zwar erstens durch die Kontemplation der Heilsgestalt mit der Vorstellung, einen Segen zu erhalten. Dies wird meist von Laien etwa zum Beten angewandt. 

Bei der zweiten Stufe findet nun eine Verschmelzung mit der Heilsgestalt statt, indem eine innere Kontemplation aufgebaut wird. Dies ist die Stufe der Selbstheilung der Buddhistischen Heilung mit dem Erkennen der inhärenten Erleuchtung. So kann damit nach und nach das Herz der Erleuchtung erfahrbar gemacht werden. Dabei wird das Herz als ursprünglich rein und erleuchtet betrachtet. Dadurch können Leid verursachende Bewertungen und Handlungsmotive aufgegeben werden. 

In der dritten Stufe wird die spirituelle Kraft der Buddhas aus dem eigenen Herzen auf andere übertragen. Damit wird dann Fremdheilung ermöglicht. Der Empfänger erhält einen Segen und kann durch den Anwender der Buddhistischen Heilung unter Anwendung der Drei Mysterien mit Mudras, Mantras und Siddhaṃ das buddhistische Gesundbeten und Besprechen namens kaji kitô 加持祈祷 erfahren. Dies ermöglicht weiterhin einen Kontakt zu seiner Urnatur, dem im Grunde reinen Herzen. Dadurch können die Schleier der Illusionen und Verblendung losgelassen und Erkenntnisse erlangt werden, so dass die karmischen Ursachen für Leid und Krankheit aufgehoben werden.

Stufen der geistigen Entwicklung im Buddhismus

Der Hinayana Buddhismus, auch Theravada genannt, beinhaltet die ältesten und ursprünglichsten Lehren im Buddhismus. Die geistige Entwicklung betrifft hier insbesondere den sogenannten Achtfachen Pfad hasshôdô 八正道 zur wahrhaftigen Befreiung des Geistes und Heilung des Herzens.

Der Achtfache Pfad

  1. Shôken 正見 – Rechte Anschauung, Einsicht in die vier Wahrheiten, Befreiung der Schleier
  2. Shô shiyui 正思惟 – Rechte Gedanken und Absicht  Achtsamkeit im Alltag – Freundlichkeit
  3. Seigen 正言 – Rechte Rede – Vermeiden falscher und Leid bringender Worte
  4. Shôgô 正業 – Rechtes Handeln und Aktionen und Karma-Bereinigung
  5. Shômyô 正命 – Rechte Lebensweise und Broterwerb
  6. Shô shôjin 正精進 – Rechte Anstrengung auf das Ziel mit kontinuierlicher Energielenkung
  7. Shônen 正念 – Rechte Achtsamkeit mit Unterscheidungsfähigkeit im Herzen und Geist
  8. Shôjô 正定 – Rechte meditative Versenkung

In allen acht Pfaden wird das Schriftzeichen Shô traditionell mit „rechte Verhaltensweisen“ übersetzt. Im Tantrischen Buddhismus und der damit einhergehenden Buddhistischen Heilung bezieht sich das auf die inhärente Urnatur des Herzens/Geistes, die im Grunde rein und erleuchtet ist. Somit wird bereits über den Achtfachen Pfad die Urnatur und somit die Heilung des Herzens angestrebt.

Das Verstehen der Lehre kommt laut den Schriften selbst nur durch die wahrhaftige Praxis zum Vorschein. Daher ist eine Forschung über den Buddhismus ohne Praxis kaum möglich. Die Praxis der Praxis ist die reine Meditation. Wird die Praxis der Meditation jedoch auf den Alltag übertragen, so ist es die Praxis der Lehre. Das Gelingen dieses Schritts ist das Erlangen der wahrhaftigen Lehre.

Bei der rechten Anschauung geht es bereits um Buddhistische Heilung zur Erlangung eines inneren Friedens, indem die drei Gifte (sandoku 三毒) des Herzens von Gier, Hass und Verblendung geheilt werden. Dies geschieht durch Beschäftigung mit den philosophischen Themen, durch Nachdenken über die Zusammenhänge zum Alltag, durch das Vermeiden unheilsamer Verhaltensweisen, die aus den Wurzeln der Drei Gifte resultieren und das Anwenden der heilsamen Verhaltensweisen zur Befreiung von den Drei Giften. 

Das zeigt, dass die rechte Anschauung aus einem Selbst heraus im Einklang mit der Umwelt geschaffen wird, ohne dass man die Lehren eines höheren Wesens befolgen muss.

Wichtig ist, weder zu verzweifeln, wenn man den friedvollen Pfad nicht erkennt oder nicht in der Lage ist, ihn immerzu zu gehen, noch zu zweifeln, wenn es durch Situationen im Alltag schwierig erscheint. Durch die Kultivierung der rechten Anschauung weiss der Adept, dass man es jedesmal wieder besser machen kann. Somit werden hier keine Samen von Schuld und Sühne gesät. Allein der Wunsch und Wille, es beim nächsten Mal und ab jetzt besser zu machen, hilft der Seele, Frieden zu finden. 

Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Jede Besserung bedeutet Wachstum. Wachstum ist das Anreichern von Kraft, es wieder und wieder besser zu machen. Diese Kraft ist eine Ressource, die auch in schweren Zeiten hilft, die richtigen Entscheidungen aus dem Herzen zu treffen.

Durch das Vermeiden übler Handlungen und das Ausüben nutzbringender Handlungen erlangt man wahrhaftige Ehre, die nichts mit falschem Stolz zu tun hat. Diese Form der Ehre ist das Grundgerüst zur Reinigung der Gedanken im Geiste und Gefühle im spirituellen Herzen (Seele). Das ist der erste Schritt zur Reinigung des Herzens und Geistes in der Buddhistischen Heilung.

Die Praxis ist die Meditation (Versenkung) und Kontemplation (Achtsamkeit). Diese haben in der Buddhistischen Heilung eine höhere Wirkungen als nur rechtes Handeln und rechte Anschauung. Durch die Praxis sei es möglich, den Geist wahrhaftig zu befreien.

Das ist so, weil Handlung zu Erleben führt und sich das Erleben im Geiste manifestiert. Das, was einmal erlebt wurde, bildet eine Form von Gedanken und Gefühlen (gyôsô 行想). So führt eine Erfahrung dazu, diese Form füllen zu wollen, indem immer wieder ähnliche Situationen angezogen werden. Davon kann man sich erst durch die Beschäftigung mit dem Geist im Rahmen von Meditation und Kontemplation befreien, nicht aber durch reine Handlung. Daher sind Meditation und Kontemplation die höchsten Stufen im Achtfachen Pfad, wobei die anderen Stufen des Sammelns von Weisheit und Verhaltens im Alltag die Schnittstelle zum Geiste bilden, damit sich das wahrhaftige Karma erfüllen kann. So wäre die reine Meditation in Abgeschiedenheit auf Dauer eher kontraproduktiv.

Hat jemand starke Gedankenformen mit Gefühlen wie etwa Hass, so kann er diese nicht mit hasserfüllten Handlungen, Gedanken und Emotionen auflösen. Es ist wichtig, immer wieder das Herz zu beruhigen, indem es als im Grunde rein und erleuchtet betrachtet wird. Dadurch wird ein Kontakt zum inhärenten Herzen der Erleuchtung aufgebaut, so dass der Hass in Liebe transformiert werden kann. So entstehen mittels einer kontemplativen Friedensmeditation Einsicht, Weisheit, Mitgefühl, die zur Reinigung des Geistes führen und eine Grundlage für konstruktive Handlungen und Gedankenformen bilden.

In der Buddhistischen Heilung ist das gemeinsam enthaltene Bindeglied zweier Gegensätze wie etwa Liebe und Hass die Lebensenergie ki . Diese kann für beides eingesetzt werden. Ki geht automatisch dahin, wo die Aufmerksamkeit ist. Daher ist es gut, die Aufmerksamkeit auf positive Ziele zu lenken, indem zunächst die kontemplative Meditation zur Erlangung von Ruhe, Erfolg und Enthusiasmus angewandt wird. Sobald die Aufmerksamkeit dem Lebensfördernden gewidmet wird, wird dann auch der Verlust eigener Lebensenergie verhindert. Die Erlangung von innerer Ruhe gibt Kraft. Sich über äußere Unruhe aufregen nährt die innere Unruhe und man verliert Kraft.

Je mehr konstruktive und positive Gedankenformen gebildet werden, umso positiver denkt und fühlt der Mensch. Das Leben bekommt einen Sinn und man sieht einen Sinn in Erfahrungen. So können weniger konstruktive Nebenbereiche transformiert oder gar vom Positiven „angesteckt“ werden. Anstecken hat mit Feuer und Feuer mit Reinigung und Reinigung mit Erleuchtung zu tun.

Buddhistische Heilung und Meditation

Das Sutra der großen Sonne

Im Sutra der großen Sonne Dainichi-kyô 大日経 wird die Lehre des Großen Sonnenbuddhas Dainichi Nyorai 大日如来 in Theorie und Praxis beschrieben. Demnach kommt man mit Hilfe der Praxis der Drei Mysterien von Körper, Rede und Sinn/Geist zum Herz der Erleuchtung bodaishin 菩提心. Erleuchtung wird als ein Zustand des Herzens beschrieben, indem man realisiert, wie es im Grunde ist. Die Methoden, das zu erreichen, werden ausführlich beschrieben. Dazu gehören Meditationen und Rituale mit Mantras, Mudras und Siddhaṃ, das Feuerritual goma-hô 護摩法, das Chakra-Rad der Silben sowie die Meditation der Fünf-Elemente-Pagode der fünf Cakras. Es geht weniger um weltliche Ziele als um das Erlangen übersinnlicher Fähigkeiten der Naturbegabung. Dazu gehören ebenso Anwendungen der Buddhistischen Heilung des Gesundbetens kaji kitô 加持祈祷.

Das Herz der Erleuchtung ist die Erkenntnis, dass das eigene Herz im Grunde rein ist wie ein Lotus. Der Lotus besteht aus acht Blättern, die dem Achtfachen Pfad entsprechen. Wird dieser kultiviert, können die Trübungen des Geistes (Schleier der Illusionen) gelöst und das reine Herz der Erleuchtung erkannt werden. Dies ist wiederum der wichtigste Schritt zur Erkenntnis der inhärenten Erleuchtung. Das führt dazu, dass im Körper dieser Inkarnation die vollständige Erleuchtung erlangt werden kann. Dieser Gedanke ist der entscheidende Unterschied zwischen dem Hinayana und Tantrischen Buddhismus. Die Lehre und Praxis des Herzens der Erleuchtung ist das Kernelement des Tantrischen Buddhismus. 

Um das Herz der Erleuchtung zu erlangen, gibt es spezielle Kontemplative Meditationen über den Lotus, Mondscheibe und das Siddhaṃ A. Diese beinhalten die Meditation des Herzens der Erleuchtung namens Ajikan. Dabei findet auch eine Invokation der Erleuchtung in Person namens großer Sonnenbuddha Dainichi Nyorai 大日如来 statt. 

Das im Grunde reine Herz wird mit Dainichi Nyorai als Sinnbild der Erleuchtung verbunden, so dass diese Erleuchtung nach und nach erfahrbar gemacht werden kann. Durch kontinuierliche Praxis kommt es zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess für Körper, Geist und Seele, bis der erleuchtete Zustand zum omnipräsenten Alltag wird. Um nicht wieder zurückzufallen ist die regelmäßige Praxis wichtig.

Kann das Herz der Erleuchtung mittels Meditation und wohlgenährten Gedankenformen hervorgerufen werden, ist es möglich, die Kraft der Erleuchtung, d.h. die der Buddhistischen Heilung an andere weiter zu geben. So beginnt die Buddhistische Heilung zunächst im eigenen Sein und kann dann auf andere übertragen werden. Diese Kraftübertragung nennt man buddhistisches Gesundbeten. Dabei wird dem Herzen mitgeteilt, dass es im Grunde rein ist, so dass karmische Verstrickungen und Leid bringende Gedankenformen aufgelöst werden können. Darauf folgt wieder die Anwendung des Achtfachen Pfades.

Das Anwenden des Gesundbetens ist zwar eine Ritualpraxis des Tantrischen Buddhismus aber zugleich eine Mahayana Anwendung der Wünsche der Bodhisattvas, auf die eigene Erleuchtung zu verzichten, bis man auch anderen Wesen auf ihren Weg des Herzens verholfen hat. 

Einweihung in beliebte Mantras - Spirituelle Kalligrafie

Einweihungen in die Kraft von Heilgestalten

Heilsgestalten sind Buddhas, Bodhisattvas, Weisheitskönige und Himmlische Wesen. Sie werden einzeln oder in Konfigurationen wie etwa in Mandalas dargestellt, wenn es einen internen Zusammenhang zwischen ihnen und für Rituale gibt. 

Im Tantrischen Buddhismus sind das insbesondere die Mandalas der zwei Welten und zwar das Mutterschoßwelt Mandala und das Diamantwelt Mandala. In beiden ist Dainichi Nyorai als große alles erleuchtende Sonne der zentrale Buddha. Ihm umgeben dann Einheiten etlicher anderer Heilgestalten. Diese können in menschlicher Form, als Siddhaṃ oder mit ihren Symbolen dargestellt werden. Siddhaṃ und Symbole werden als Kontemplations-Objekte benutzt, weil es mit ihnen möglich ist, ihre Essenz und Natur im eigenen Herzen zu erleben. In anderen Worten heisst das, dass weniger mit dem Buddha in menschlicher Form als vielmehr mit dem Siddhaṃ oder Symbol des Buddhas seine segensreiche Heilkraft gerufen werden kann. 

Um die Übertragung der Heilkraft (kaji 加持) eines Buddhas zu ermöglichen, gibt es Rituale der Einweihung, bei der eine Verbindung zwischen Mensch und Heilgestalt aufgebaut wird. Damit kann der Adept diese spezifische Heilkraft in sich und andere rufen, um damit zu heilen. 

Da es im Tantrischen Buddhismus nun etliche Heilsgestalten mit zahlreichen Eigenschaften und Heilfähigkeiten für unterschiedliche Themen und Bereiche gibt, ist es sinnvoll, eine Einweihung für jene Heilsgestalt zu erhalten, die den Adepten passend zu seiner derzeitigen spirituellen Entwicklung optimal unterstützt. So gibt es ein divinatorisches Einweihungsritual, indem mit verbundenen Augen, eine Blüte über den Heilsgestalten des Mutterschoßwelt Mandalas fallengelassen wird. Die Blüte fällt dann auf genau die Heilgestalt, zu der es eine Verbindung gibt oder die besonders für die spirituelle Entwicklung für einen gewissen Zeitraum geeignet ist. 

Fudo Myoo - der Schützer des Buddhismus

Die Praxis der meditation und Buddhistischen Heilung

Die Grundlagen der Buddhistischen Heilung sind bereits einfache Meditations-Techniken mit Körper, Geist und Seele zur Gesundung und Gesund-Erhaltung. Sie bilden das Fundament für etliche moderne Methoden der Entspannung und Heilung wie etwa Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training.

Atem-Meditation – Pranayama

Meditation zur Beruhigung des Atems ist eines der Grundlagen der Buddhistischen Heilung. Damit können Energien gelenkt und die Organe mit Energien versorgt werden. Dabei ist es wichtig, sich zu entspannen und das Blut gleichmäßig mit dem Atem fließen zu lassen, indem das Blut mit Lebensenergie (ki ) angereichert wird und in der gleichen Geschwindigkeit fliesst. Eine bekannte Meditation ist auch die Kontemplation der Achtsamkeit mit Fokus auf den Atem (Vipaśyanā).

Meditation des Herzens der Erleuchtung

Die Meditation zur Erlangung des Herzen der Erleuchtung sät den Samen der Erkenntnis, dass die Erleuchtung einem jeden Wesen innewohnt und täglich ein Stückchen mehr erfahrbar gemacht werden kann. Dadurch lässt man ab von Leid bringenden Gedanken und Verhaltensweisen.

Gachirinkan – Kontemplative Meditation der Mondscheibe

Die Gachirinkan ist der erste Teil der Meditation des Herzens der Erleuchtung und gleichzeitig eine der grundlegenden Meditationen des Tantrischen Buddhismus der Shingon und Tendai Schule. Sie wird auf dem Weg zum Mönch geübt, bevor in die Meditation Mantras, Mudras und Siddhaṃ integriert werden. Hier geht es in erster Linie um die Reinigung des Geistes und das Erlangen innerer Ruhe durch die Aggressionen abkühlende Tugend durch die Betrachtung einer Mondscheibe (vgl. Abb. 1).

Eine weitere Tugend des Mondes ist die des Lichtes. Demnach kommt das Licht in die Finsternis. Dabei steht das Licht für Weisheit und die Finsternis für einen Mangel an Bewusstsein, der mitunter als trüber Geist bezeichnet wird. Daraus ergeben sich Handlungen, die neue karmische Verstrickungen und Leid hervorrufen. Kommt das Licht in diese Finsternis, kann der trübe Geist geheilt werden. So kann man aufgrund des Bewusstseins über die Natur der Dinge weise handeln und das Aufbauen neuen Karmas beenden.

Bei der Meditation mit der Mondscheibe soll man sich die Tugend der Reinheit des Herzens vergegenwärtigen. Das scheint auf den ersten Blick widersprüchlich, weil das reine Herz ursprünglich, rein und unveränderlich ist. Durch Erfahrungen und den Umgang mit Situationen im Leben, wie man dabei denkt, fühlt und handelt, verliert man das Bewusstsein für das heile und reine Herz. Ein reines Herz ist frei von Sekundäremotionen, wie etwa Wut und Zorn ohne eine aktuelle Situation. Der Mond hat hier in der Meditation eine kühlende Wirkung. Damit ist die Beruhigung des Herzens durch das Loslassen von zornvoller Leidenschaft gemeint. Wenn das Herz vor Wut brennt, entsteht daraus eine Motivation, aus Wut zu handeln. Diese Handlung ruft wieder neue karmische Resultate hervor, die unangenehm und leidvoll erscheinen. Daher ist es von Vorteil, die Anhaftungen der Wut im Herzen loszulassen, um das Aneinanderreihen widriger Umstände zu unterbrechen. Das Loslassen und Zurückkehren zum inhärenten reinen Herzen, dem Herz der Erleuchtung, ist die Heilung des Herzens. Dabei ist anzumerken, dass der Begriff der Heilung, wie er heute verwendet wird, damals noch nicht existierte. Statt dem Begriff Heilung wird vom Herz der Erleuchtung gesprochen. Dabei ist der Weg die kontinuierliche Heilung des Herzen durch Loslassen der Sekundäremotionen und dem Steigern des Bewusstseins für das im Grunde reine Herz.

Ajikan – Kontemplation des Siddham A

Das Siddhaṃ A steht für den Großen Sonnenbuddha Dainichi Nyorai 大日如来, der das ganze Universum erleuchtet. Mit ihm im Herzen wird man zum Zentrum des Universums und kann seine gesamte Kraft in sich bündeln und in alle Gefilde zur Heilung aussenden. Daher ist die Ajikan die Grundlage der Buddhistischen Heilung des Tantrischen Buddhismus für sich und andere. Je mehr die Ajikan praktiziert wird, umso größer wird die Heilkraft des Praktizierenden, weil dadurch mehr und mehr erkannt wird, dass man selbst und alle Wesen im Grunde rein und erleuchtet sind. Das ist das Erkennen des Herzen der Erleuchtung.

Der Mönch Kakuban (1095-1143) widmete weite Teile seines Lebens der Ajikan und dem Verfassen von erklärenden Texten zu den Heilwirkungen dieser kontemplativen Meditation. Kakuban vertritt die Meinung, dass die Erlangung des Herzens der Erleuchtung mit Hilfe der Ajikan die wichtigste Methode sei, um Voraussetzungen dafür zu schaffen, noch in diesem Leben im eigenen Körper Erleuchtung zu erlangen. Diese Erleuchtung ist für ihn das Gleiche wie das Reine Land des Amida Buddha, jedoch nicht in einer anderen Welt nach dem Tode, sondern im eigenen Herzen im Körper dieser Inkarnation. 

Aufgrund der karmischen Einflüsse inkarniert man sich immer wieder, wobei der Körper immer nur ein Resultat des Karmas früherer Handlungen ist. Mit der Ajikan löst man das dem Herzen der Erleuchtung im Wege stehende Karma auf. Karma bedeutet Aktion und Handlung. Es entsteht durch konkrete Handlungen und Denkweisen, nämlich besonders solche, die aus Anhaftungen, Sekundäremotionen und Illusionen entstehen. Dies geschieht besonders in der Jugend, wenn das verwirrte und ruhige Herz aufgrund der Erfahrungen durcheinander geraten.

Das Erkennen des Herzens der Erleuchtung ist das gleichzeitige Erkennen, dass das Herz im Grunde rein ist und dass dieser im Keim immerwährend und unveränderlich vorhanden ist. Haften diesem reinen Herzen Sekundäremotionen als störende Gefühle an, so kann man seine Reinheit nicht erkennen. Sekundäremotionen sind durch Prägungen und Erfahrungen antrainierte Emotionen. Der Weg der Befreiung von den Sekundäremotionen ist ein Weg zur Heilung des Herzens. Ein reines Herz gleicht einem geheilten Herzen. 

Die Heilung des Herzens findet somit auf verschiedenen Ebenen statt. Einerseits geht es um das Auflösen, d.h. das Heilen des Karmas vergangener Inkarnationen, um Voraussetzungen für Verdienste wie etwa Weisheit, Beredsamkeit, Gesundheit, Freiheiten und Fähigkeiten zu schaffen. Andererseits geht es um die regelmäßige Praxis der Ajikan und um das Meistern eines eines einzelnen Gedankens als Voraussetzung zum Zugang zur Erleuchtung im eigenen Herzen. 

Durch die Kontemplation des Siddhaṃ A auf der Lotusblüte auf einer Mondscheibe im Herzen soll von dort ein Licht in alle Richtungen erstrahlen und den ganzen Körper erfüllen (vgl. Abb. 2). Das aufrichtige Meditieren mit dieser Vorstellung soll die Wirkung haben, dass die Leiden des Körpers und des Herzens, die man über die sechs Sinne von Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten und Verstehen wahrnimmt, gänzlich geheilt werden, indem man von körperlichen und geistigen Leiden befreit bzw. gereinigt wird. Durch die Reinigung des Körpers erfolgt gleichfalls die Reinigung des Herzens, das nach Kakuban so vollkommen wie Wasser und rein wie der Mond werde. Das reine Herz kann demnach die Wiedergeburt im Reinen Land bewirken, sei es in diesem Leben oder nach dem Tode. Im Tantrischen Buddhismus bezieht sich Wiedergeburt nicht immer auf das Wechseln des Körpers sondern eher auf eine Transformation. Etwa durch eine Erkenntnis ist das Leben ab diesem Zeitpunkt nicht mehr das gleiche wie davor.

Das Herz der Erleuchtung ist der Zustand der Leere. Leere ist die bewertungsfreie Wahrnehmung ohne eine emotionale Anbindung. Diese sei allezeit inhärent, ob man sie wahrnimmt oder nicht. In diesem Zusammenhang spricht Kakuban von Stimmen und Dialogen im Herzen, die die Wahrnehmung des ursprünglichen Herzens der Leere erschwert, weil diese inneren Stimmen die äußere Wahrnehmung meistens emotional bewerten, wodurch das Herz nicht zur Ruhe kommen kann. 

Laut Kakuban entstehen durch das Folgen der inneren Stimmen oder der Meinung eines Freundes bzw. Lehrers karmische Verstrickungen. Ist die daraus entstehende Handlung von Sinn erfüllt, erntet man Verdienste. Diese zeigen sich im angenehmen Erleben der Welt und in Chancen, das Herz der Erleuchtung zu erreichen. Ist auf der anderen Seite die daraus entstehende Handlung destruktiv, erntet man karmische Verstrickungen, die sich in unangenehmen Erlebnissen und Krankheit ausdrücken. Der Keim dafür findet im eigenen Herzen statt und die Folgen in einem jeden Augenblick im Herzen. 

Das Schaffen dieses Bewusstseins führt in die Freiheit des Herzens, welche mit der Heilung im Sinne einer Heil-Werdung des Herzens gleichgesetzt werden kann, weil mit dieser Erkenntnis die Welt so erlebt werden kann, wie man sie sich wünscht. Wer jedoch dieses Bewusstsein verliert, erlebt die Welt als unheilvoll. Um das zu verdeutlichen, führt Kakuban die Geschichten einer Seidenraupe an, die sich selbst einwickelt und dann festbindet und dem Maler, der sich vor seinem eigenen Gemälde eines Geistes fürchtet. Somit wird jede Form des Erlebens als Grundlage für Heil oder Krankheit im eigenen Herzen erschaffen. 

Entdeckung des Seiheki Ursprungs von Mark Hosak

Buddhistisch-Daoistische Heilung

Mit der Verbreitung der Buddhistischen Heilung in China wurden Philosophie und Methoden der Heilung durch chinesische Praktiken und Konzepte ergänzt. Dazu gehören Akupunktur, Moxibustion, Pulsdiagnose und die Erweiterung der vier Elemente um das Element Äther bzw. Leere. 

Generell wurde der Begriff der Heilung in drei Bereiche unterteilt: erstens religiöse Heilung mit dem Glauben durch Einsichten, Mentaltechniken und Meditationen; zweitens magische Heilung mit Beschwörungen, Anrufungen und Exorzismus; drittens medizinische Heilung durch die Anwendung von Heilpflanzen, Diäten und Chirurgie.

Mit Ausnahme des dritten Bereichs wurden in Japan die Siddhaṃ für die Meditationen der Heilung und für magische Heilung verwendet.

Geheime Zen-Meditation

Die geheime Zen-Meditation (Zenmitsu 禅蜜) ist eine Variante der Zen-Meditation in Bewegung, die im Stehen ausgeführt wird. Diese wurde in den Buddhismus mit aufgenommen als der chinesische Mönch Zhiyi (538-597) mit einigen Schülern für die meditative Praxis auf den Berg Tiantai-shan ging. Dort tauschte er sich mit den einheimischen Schamanen aus, so dass magisch-daoistische Praktiken zur Heilung und Entwicklung innerer Kräfte zu einem integralen Teil der Praxis der Tendai-Schule wurden. Dabei wird der Körper über die Wirbelsäule in Wellenbewegungen aufsteigend nach vorne und hinten, seitlich und in sich gedreht bewegt. Später in Japan wurden zudem noch die Geheimlehren (mikkyô 密教) der Shingon-Schule in die Tendai-Schule übernommen, so dass sich daraus eine Synthese des Daoismus, der Zen-Meditation und der Anwendung der Drei Mysterien mit Mantras, Mudras und Siddhaṃ ergab.

Kontemplative Meditation der Fünf Organe

In der Shingon Schule des Tantrischen Buddhismus kam man auf die Idee, die kontemplativen Meditationen der Drei Mysterien mit den fünf Organen der fünf Elemente des Daoismus zu kombinieren. Dafür wurden den Organen ausgewählte Siddham zugeordnet, die dann auf die Körperbereiche der Organe der zu behandelnden Person projiziert werden, um Organe zu heilen und das zu Leben verlängern. 

Kontemplative Meditationen mit weiteren Siddhaṃ

Anstelle des Siddhaṃ A können in die Mondscheibe auf den Lotus auch andere Siddhaṃ für weitere Wirkungen eingesetzt werden. Ein jedes Siddhaṃ (Keimsilbe) steht für eine oder eine Gruppe von Heilsgestalten. In anderen Worten kommt die Kraft einer Heilsgestalt durch ihr jeweiliges Siddhaṃ zur Wirkung. Während das Siddhaṃ A mit dem Großen Sonnenbuddha Dainichi Nyorai für die Erlangung des Herzens der Erleuchtung Verwendung findet, so wird zum Beispiel das Siddhaṃ Hrih mit dem Buddha Amida zur Wiedergeburt im Reinen Land als ein Zustand der Glückseligkeit genutzt. Mit dem gleichen Siddhaṃ Hrih steht in der Kontemplativen Meditation der Bodhisattva Kannon mit 1000 Armen für die Möglichkeiten der Heilung von Glaubenssätzen und schädlichen Gewohnheiten (vgl. Abb. 3). Das Siddhaṃ Kan ruft den Glück bringenden und Karma auflösenden Unerschütterlichen Weisheitskönig Fudô Myôô. So sollen mit der Buddhistischen Heilung karmische Ursachen von Krankheiten auch aus früheren Inkarnationen geheilt werden können. Weitere Siddhaṃ und Heilsgestalten sind für das Austreiben von Geistern und das Purifizieren von Gift etwa von einer Schlange oder im Geiste ausgelöst durch äußere Einflüsse. 

Daoistische Talismane mit Siddham zur Heilung

Nach daoistischen Ritualen der Herstellung von Talismanen können diese ebenso mit Siddham und weiteren Symbolen beschriftet und geweiht werden, um damit den Träger zu heilen, zu schützen, das Leben zu verlängern oder Glück einzuladen. 

Buddhistische Heilung in Feuerritualen

Eine beliebte Form der Buddhistischen Heilung im Tantrischen Buddhismus der Shingon und Tendai Schule ist das Feuerritual Goma-hô 護摩法. Dabei werden mittels der Kontemplativen Meditationen mit den Siddhaṃ Heilsgestalten in ein Feuer gerufen, in das mit Wünschen der Heilung und Purifizierung beschriftete Stäbchen aus Holz gegeben werden (vgl. Abb. 4). 

Shingon Reiki - der Weg des Herzens