Manche sagen, die Energie komme „aus dem Universum“. Schön und gut. Aber was ist das Universum? Unter anderem ein riesiger Haufen aus Sternen und Planeten. Und mit ihnen kann man sich verbinden.

Darüber spreche ich selten. Aber wer aufmerksam ist, merkt es irgendwann von selbst: Fast alle Meditationen, die ich in Shingon Reiki und Kuji Kiri weitergebe, haben etwas mit Sternen und Planeten zu tun. Wir richten uns auf ihre Kräfte aus, ohne dass es jedes Mal ausgesprochen wird. In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, wo das in der Tradition verankert ist. Und zwar mit Fakten, die du nachprüfen kannst.

Der Mond 月

Die bekannteste Meditation ist die Mondscheiben-Meditation, japanisch gachirinkan 月輪観. Im Mittelpunkt steht eine helle, kühle Scheibe wie ein Vollmond, in der sich der eigene reine Geist spiegelt. Sie ist eine der Grundmeditationen des Shingon und steht oft am Anfang einer längeren Praxis, zum Beispiel vor dem Ajikan, der Meditation über die Silbe A.

Vollmond über bewaldeten Bergketten in Japan, Nebel im Tal, Zedern im Vordergrund
Der Mond · kühl, klar, still

Die Sonne 日

Im Zentrum des Shingon steht Dainichi Nyorai 大日如来, auf Sanskrit Mahāvairocana. Sein japanischer Name bedeutet wörtlich „Große Sonne“. Er ist der kosmische Buddha, aus dem alle anderen Buddhas und Bodhisattvas hervorgehen. Viele Meditationen, die mit dem Mond beginnen, führen am Ende zu diesem großen Licht.

Statue des Dainichi Nyorai zwischen alten Zedern im Okunoin am Kōyasan
Dainichi Nyorai im Okunoin, Kōyasan

Der Morgenstern 明

Die vielleicht berühmteste Geschichte über einen Planeten in der japanischen Spiritualität stammt von Kūkai selbst. Als junger Mann praktizierte er das Gumonjihō 求聞持法, eine Praxis zu Kokūzō Bosatsu, bei der das Mantra eine Million Mal rezitiert wird. Ziel der Praxis ist ein Gedächtnis und Verständnis, das nichts mehr vergisst. In seiner frühen Schrift Sangō shiiki (797) beschreibt Kūkai, dass ihm am Kap Muroto auf Shikoku der Morgenstern erschien. Der Morgenstern, japanisch myōjō 明星, ist die Venus.

Vergoldete Statue des Kokūzō Bosatsu im Tōdai-ji in Nara
Kokūzō Bosatsu im Tōdai-ji, Nara

Ich habe mir vorgenommen, diese Million selbst zu vollenden. Ich habe das Mantra schon sehr oft rezitiert, aber die volle Million noch nicht erreicht. Der Plan: mit tausend Rezitationen am Tag beginnen und schauen, wie weit der Weg trägt.

Die Sterne als System: das Sukuyō-kyō 宿

Dass Sterne und Planeten im Shingon nicht nur Bilder in einzelnen Meditationen sind, zeigt ein Text, den Kūkai aus China mitbrachte: das Sukuyō-kyō 宿曜経. Der Überlieferung nach wurde es 759 in China von Amoghavajra (japanisch Fukū) übersetzt, einem der großen Meister des esoterischen Buddhismus. Kūkai brachte es 806 nach Japan. Der Text enthält unter anderem Methoden der Horoskop-Astrologie.

Auf dieser Grundlage entstand in Japan das Sukuyōdō 宿曜道, der „Weg der Konstellationen und Himmelskörper“. Der Religionswissenschaftler Jeffrey Kotyk beschreibt es als die einzige japanische Tradition, die echte Horoskop-Astrologie praktizierte. Daneben nutzten Shingon und Tendai die astrologischen Methoden, um günstige Tage für Rituale zu bestimmen.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die neun Himmelskörper, kuyō 九曜: Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn sowie Rāhu und Ketu, zwei Punkte, die mit den Finsternissen verbunden sind.

Hoshiku: das Sternenritual im Tempel 供

Lebendig ist diese Tradition bis heute. Viele Tempel feiern im Winter ein Sternenritual, hoshiku 星供 oder hoshi-matsuri. Ein Beispiel ist der Byōdō-ji, der 22. Tempel des Shikoku-Pilgerwegs, den ich zu Fuß gegangen bin. Dort finden die Rituale zwischen der Wintersonnenwende und dem Frühlingsbeginn nach altem Kalender statt, also bis Setsubun Anfang Februar.

Jeder Mensch hat in diesem System einen Geburtsstern aus dem Großen Wagen, den honmyōshō 本命星, der ihn ein Leben lang begleitet. Dazu kommt ein Jahresstern aus den neun Himmelskörpern, der jedes Jahr wechselt. In Jahren mit einem günstigen Stern bittet man darum, dass sich das Gute vermehrt. In Jahren mit einem ungünstigen Stern bittet man um Schutz und Frieden.

Die Planeten sind in dieser Tradition keine fernen Gesteinskugeln. Sie sind Kräfte, die man einladen und um Mitwirkung bitten kann.

Was das für deine Praxis heißt 行

Du musst kein Horoskop deuten können, um mit diesen Kräften in Verbindung zu kommen. Es reicht, wenn du beim Praktizieren bewusst wahrnimmst, womit du dich gerade verbindest.

Wenn du das nächste Mal vor Sonnenaufgang draußen bist, schau doch einmal, ob die Venus als Morgenstern am Himmel steht. Und die Zeit zwischen Wintersonnenwende und Setsubun eignet sich, ganz im Sinne des Hoshiku, sehr gut für eine kleine Rückschau auf das Jahr. Wie wir mit den Kräften von Mond, Sonne und Sternen in der Meditation arbeiten, erlebst du am besten auf einem Live Event und in der Gemeinschaft.

Wenn du diese Verbindung einmal gespürt hast, wirst du viele Meditationen mit anderen Augen sehen. Sie öffnen sich Ebene für Ebene.

Quellen

Jeffrey Kotyk: „Japanese Buddhist Astrology and Astral Magic: Mikkyō and Sukuyōdō“, Japanese Journal of Religious Studies 45/1. – 白井正 (Shirai Tadashi): „京都の天文学【2】空海とホロスコープ占星術“, Kwasan-Observatorium der Universität Kyoto (zu Kūkai, dem Sukuyō-kyō 806 und dem Sukuyōdō). – Zum Übersetzer und zum Jahr 759: Überblicksartikel „文殊師利菩薩及諸仙所説吉凶時日善悪宿曜経“. – Zum Sternenritual: Byōdō-ji (Tempel 22), Seite „Star Ritual“ (Hoshiku 2025/26). – Zu Kūkai und dem Morgenstern: Kūkai, Sangō shiiki (797), englisch in Yoshito S. Hakeda: Kūkai: Major Works (1972).

Selbst erleben

Die Kraft des großen Lichts

In Shingon Reiki 1 verbindest du dich über die Einweihung mit der Kraft des Großen Sonnen-Buddha und des Medizin-Buddha. Von dort aus öffnen sich die Meditationen mit Mond und Sternen.

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Oder erst die kleine Übung als Geschenk