Klassische Reiki-Handposition liegend · Hände am Bauch
Reiki in der Praxis · Hände am Bauch

Du liegst auf einer Liege. Bekleidet, in einer ruhigen Umgebung. Jemand legt dir die Hände auf — und dann passiert etwas, das du nicht erwartet hast. Vielleicht spürst du Wärme. Vielleicht ein Kribbeln. Vielleicht fällt dir auf, dass du zum ersten Mal seit Wochen wirklich tief einatmest. Was genau bei einer Reiki-Sitzung passiert, lässt sich schwer vorhersagen. Aber wie sie abläuft — das lässt sich beschreiben.

Dieser Artikel erklärt den Ablauf einer Shingon-Reiki-Sitzung: von der Vorbereitung über die Praxis bis zur Vollendung. Und er zeigt, worin sich eine Sitzung in der japanischen Tradition von dem unterscheidet, was im Westen als Standard gilt.

Wegbegleitende bei Shingon-Reiki-Praxis im Institut
Praxis im Institut

Die Vorbereitung 準備

In der japanischen Tradition beginnt eine Reiki-Sitzung nicht in dem Moment, in dem die Hände den Körper berühren. Sie beginnt vorher — mit der Vorbereitung des Praktizierenden. Im Shingon Reiki umfasst diese Vorbereitung drei Schritte, die alle auf den drei Geheimnissen Sanmitsu 三密 aufbauen.

1

Kenyoku Hō — Reinigung

Der Praktizierende reinigt seinen eigenen Energiekörper durch das „trockene Baden" — drei Striche über den Oberkörper, drei über die Arme. Das löst anhaftende Energie und schafft einen klaren Ausgangszustand.

2

Gasshō — Ausrichtung

Die Hände werden in Gasshō zusammengelegt. Eine kurze Stille. Der Praktizierende richtet sich aus: Atem, Haltung, Intention. Dieser Moment ist die Schwelle zwischen Alltag und Praxis.

3

Reiji Hō — Bitte um Führung

Der Praktizierende bittet darum, dass die Reiki-Energie die Hände dorthin führt, wo sie gebraucht werden. Nicht er steuert die Sitzung — die Energie steuert sie. Er folgt.

Im westlichen Reiki wird diese Vorbereitung oft übersprungen oder auf ein kurzes „Einstimmen" reduziert. In der japanischen Tradition ist sie unverzichtbar. Ohne Kenyoku gehst du mit deiner eigenen energetischen Last in die Sitzung. Ohne Gasshō fehlt die Ausrichtung. Ohne Reiji Hō arbeitest du nach Schema statt nach Wahrnehmung.

Die Sitzung selbst 施術

Der Empfangende liegt bekleidet auf einer Liege — oder sitzt, wenn das angenehmer ist. Die Augen sind geschlossen. Der Praktizierende steht oder sitzt daneben und beginnt mit dem Auflegen der Hände.

Im westlichen Standard gibt es ein festes Schema: Positionen am Kopf, am Oberkörper, am Bauch, am Rücken. Jede Position wird drei bis fünf Minuten gehalten, dann wechselt man zur nächsten. Das Schema ist nützlich als Ausgangspunkt — aber es ist nicht das, was in der japanischen Tradition als vollständige Praxis gilt.

In Shingon Reiki beginnt der Praktizierende zwar mit den Grundpositionen, aber er lässt sich von der Byōsen-Wahrnehmung leiten. Wo die Hände Wärme, Kribbeln oder Pulsieren spüren, verweilen sie länger. Wo die Wahrnehmung neutral ist, bewegen sie sich weiter. Jede Sitzung ist anders — weil jeder Körper in jedem Moment anders ist.

„Eine gute Reiki-Sitzung folgt keinem Plan. Sie folgt den Händen. Und die Hände folgen der Energie. Wenn du das verstanden hast, brauchst du kein Schema mehr." Dr. Mark Hosak

Die Dauer einer Sitzung variiert. Typisch sind 45 bis 60 Minuten. In der japanischen Tradition gibt es keine starre Zeitvorgabe — die Sitzung dauert so lange, wie die Energie fließt und wie die Byōsen-Wahrnehmung es anzeigt. Manchmal sind dreißig Minuten genug. Manchmal braucht es mehr.

Was der Empfangende erlebt 体験

Die Erfahrungen während einer Reiki-Sitzung sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie empfangen. Es gibt kein „richtig" und kein „falsch". Manche spüren Wärme — manchmal intensiv, manchmal subtil. Andere spüren Kribbeln, Schwere oder ein Gefühl von Weite. Manche sehen Farben hinter geschlossenen Augen. Manche schlafen ein — was in der japanischen Tradition als gutes Zeichen gilt, weil es tiefes Loslassen anzeigt.

Wichtig ist: eine Reiki-Sitzung ist keine passive Erfahrung. Auch wenn der Empfangende „nur" liegt, geschieht in seinem Energiekörper aktive Arbeit. Die Energie geht dorthin, wo sie gebraucht wird — nicht dorthin, wo der Verstand es erwartet. Das bedeutet auch: die Erfahrung muss nicht spektakulär sein, um wirksam zu sein. Manchmal ist das Tiefste, was geschieht, eine Stille, die man vorher nicht kannte.

Wichtig zu wissen

Reiki ist keine medizinische Anwendung. Es ersetzt keinen Arztbesuch und stellt keine Diagnose. Was Reiki bietet, ist ein Raum — ein Raum, in dem der Körper zur Ruhe kommt und in dem Energie fließen kann. Was in diesem Raum geschieht, ist bei jedem Menschen verschieden und lässt sich nicht vorhersagen oder garantieren. Individuelle Erfahrungen variieren.

Die Vollendung 終了

Am Ende der Sitzung löst der Praktizierende die Hände langsam vom Körper. In der japanischen Tradition folgt ein zweites Kenyoku — diesmal, um die Energie des Empfangenden nicht mitzunehmen. Dann Gasshō — Dankbarkeit für die Sitzung, für den Empfangenden, für die Energie.

Der Empfangende braucht einen Moment, um zurückzukommen. Wie nach einer tiefen Meditation oder einem intensiven Traum. Ein Glas Wasser. Ein paar ruhige Atemzüge. Kein Sprung zurück in den Alltag, sondern ein sanfter Übergang.

In Shingon Reiki wird nach der Sitzung nicht interpretiert. Der Praktizierende erzählt nicht, was er „gesehen" oder „gespürt" hat — es sei denn, der Empfangende fragt danach. Die Erfahrung gehört dem Empfangenden. Der Praktizierende hat seinen Dienst getan. Der Rest geschieht in der Stille.

Der Unterschied zur westlichen Praxis 違い

Im westlichen Reiki ist eine Sitzung oft ein Service: du gehst hin, du liegst, du bekommst Reiki, du gehst nach Hause. In der japanischen Tradition ist sie ein Ritual — mit Reinigung, Ausrichtung und Vollendung. Der Unterschied ist nicht technisch. Er ist in der Haltung.

Im Shingon Reiki ist jede Sitzung ein Akt der Verbindung — zwischen dem Praktizierenden und dem Empfangenden, zwischen beiden und der Reiki-Energie, zwischen der Praxis und der 1200 Jahre alten Tradition, in der sie verwurzelt ist. Das macht die Sitzung nicht komplizierter. Es macht sie tiefer.

„Im Westen sagt man: Ich gebe Reiki. In Japan sagt man: Reiki geschieht durch mich. Der Unterschied ist nicht Bescheidenheit. Es ist Präzision." Eileen Wiesmann
Individuelle Erfahrung. Jede Stimme ist ein persönlicher Erfahrungsbericht. Ergebnisse können variieren. Reiki und spirituelle Praxis ersetzen keine medizinische oder psychologische Behandlung.
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Erlebe Shingon Reiki

Eine Reiki-Sitzung in der japanischen Tradition beginnt mit der Reinigung und endet mit der Stille. Dazwischen liegt ein Raum, den du selbst erfahren musst.

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