Qigong und Reiki. Für die meisten Menschen im Westen sind das zwei völlig verschiedene Dinge. Qigong — das ist die chinesische Energiearbeit mit den fließenden Bewegungen im Park. Reiki — das ist Handauflegen auf einer Liege. Verschiedene Länder, verschiedene Methoden, verschiedene Welten. So scheint es.

Aber was, wenn diese Trennung eine Illusion ist? Was, wenn Reiki und Qigong nicht nur verwandt sind, sondern aus derselben Quelle stammen? Was, wenn der Gründer von Reiki in seiner Heimat als Qigong-Meister galt — und der Westen diesen Zusammenhang schlicht vergessen hat?

In einem japanischen Qigong-Fachbuch wird Mikao Usui als „einer der größten japanischen Qigong-Meister des 20. Jahrhunderts" bezeichnet — als jemand, der „seinen eigenen Qigong-Stil mit Reiki gründete." Dieser Satz verändert alles. Denn er zeigt: in Japan war der Zusammenhang zwischen Qigong und Reiki nie ein Geheimnis. Er ging nur auf dem Weg in den Westen verloren.

Mark Hosak vor dem Dainichi-Altar · Energiearbeit am Altar
Mark Hosak vor dem Dainichi-Altar · zwei Wege, eine Energie

Ki und Qi — dasselbe Zeichen, verschiedene Lesungen

Ki (japanisch) und Qi (chinesisch) — zwei Lesungen desselben Schriftzeichens. Es bedeutet Lebensenergie, Atem, vitale Kraft. Das Rei in Reiki bedeutet „geistig, spirituell." Das Gong in Qigong bedeutet „Arbeit, Übung, Meisterschaft." Reiki = spirituelle Lebensenergie. Qigong = Arbeit mit Lebensenergie. Dasselbe Ki. Dasselbe Qi.

Das ist keine Interpretation. Das ist Schriftzeichenkunde. Wer das Zeichen liest, sieht in seinem Inneren das Zeichen für Reis — — umhüllt von aufsteigendem Dampf. Lebenskraft, die aus der Nahrung aufsteigt. Atem, der den Körper durchdringt. Eine Kraft, die man nicht sehen, aber spüren kann.

In China heißt diese Kraft Qi. In Japan heißt sie Ki. In Indien nennt man sie Prana. Der Name ändert sich mit der Sprache. Die Erfahrung bleibt dieselbe. Und die Methoden, mit dieser Kraft zu arbeiten, sind in Ostasien seit Jahrtausenden verfeinert worden — in der Tradition, die wir heute Qigong nennen.

Usuis Quellen — Shingon, Daoismus, Shinto 源流

Mikao Usui war kein Esoteriker im westlichen Sinne. Er war ein Praktiker, der tief in den spirituellen Traditionen Japans verwurzelt war. Sein Hintergrund umfasste den Shingon-Buddhismus — die esoterische buddhistische Schule, die Kukai im 9. Jahrhundert aus China nach Japan brachte. Er praktizierte Methoden aus dem Daoismus, der Grundlage von Qigong, Feng Shui und der Traditionellen Chinesischen Medizin. Und er war vertraut mit Shinto, der indigenen spirituellen Tradition Japans.

All diese Traditionen arbeiten mit derselben Kraft — . Im Shingon-Buddhismus wird sie durch Mantra, Mudra und Meditation aktiviert. Im Daoismus durch Atemführung, Bewegung und innere Alchemie. Im Shinto durch Reinigungsrituale und die Verbindung mit den Kami. Usui kannte all diese Wege. Und Reiki — sein Reiki — war keine Reduktion auf Handauflegen. Es war eine Synthese. Eine integrierte Praxis der Energiearbeit, die Meditation, Atemführung, Mantras und Handpositionen verband.

„Ein japanisches Qigong-Fachbuch nennt Usui einen der größten Qigong-Meister Japans im 20. Jahrhundert. In seiner Heimat war klar, was der Westen vergessen hat: Reiki ist eine Form von Qigong." Dr. Mark Hosak

Wer Usuis Praxis als Ganzes betrachtet, erkennt die Qigong-Elemente sofort: die Jōshin Kokyū Hō — eine Atempraxis, die Energie im Hara sammelt, dem Kraftzentrum unterhalb des Nabels. Die Hatsurei Hō — eine Meditationstechnik zur Aktivierung der spirituellen Kraft. Die Arbeit mit dem Tanden, dem energetischen Schwerpunkt des Körpers. All das sind klassische Qigong-Prinzipien — übertragen in einen japanischen Kontext.

Mark Hosak · Gassho-Mudra · die Wurzeln des Reiki-Atems
Mark Hosak · Gassho · die Wurzeln des Reiki-Atems

Was auf dem Weg in den Westen verloren ging 西洋

Als Reiki nach dem Zweiten Weltkrieg über Hawaii in den Westen gelangte, geschah etwas Entscheidendes: die Praxis wurde vereinfacht. Die meditativen Grundlagen — Atemarbeit, Energiesammlung im Hara, die kontemplative Verbindung mit den Mantras — wurden nach und nach entfernt. Was blieb, waren die Handpositionen. Handauflegen als Technik, losgelöst von der meditativen Praxis, die ihr zugrunde lag.

Das war verständlich. Die westlichen Praktizierenden hatten keinen Zugang zu den japanischen, chinesischen und sanskritsprachigen Quellen. Sie kannten weder den Shingon-Buddhismus noch den Daoismus aus eigener Erfahrung. Also gaben sie weiter, was sie verstanden: die Handpositionen, die Symbole, die Einweihungsrituale. Die energetische und meditative Tiefe — das Qigong in Reiki — ging verloren.

Das Ergebnis ist das, was heute die meisten Menschen unter Reiki verstehen: eine sanfte Methode des Handauflegens, die Entspannung und Wohlbefinden erzeugt. Das ist nicht falsch. Aber es ist nur die Oberfläche. Es ist, als würde man von einem Ozean nur die Wellen kennen — ohne zu ahnen, was darunter liegt.

Der Kern

Reiki wurde im Westen verwässert, weil seine Qigong-Elemente als bloße Techniken weitergegeben wurden — ohne die meditative und energetische Grundlage, die ihnen Kraft gibt. Die Handpositionen ohne die Atemarbeit. Die Symbole ohne die kontemplative Praxis. Die Form ohne den Inhalt.

Shingon Reiki — die Verbindung wiederherstellen 真言靈氣

Shingon Reiki geht den umgekehrten Weg. Statt Reiki weiter zu vereinfachen, stellt es die ursprüngliche Tiefe wieder her. Die Qigong-Elemente — Atemführung, Energiesammlung im Hara, meditative Versenkung — sind integraler Bestandteil der Praxis. Nicht als Zusatz. Nicht als optionale Erweiterung. Sondern als das Fundament, auf dem alles andere steht.

In der Praxis bedeutet das: bevor die Hände aufgelegt werden, gibt es Meditation. Bevor Energie fließt, wird sie gesammelt. Bevor ein Symbol gezeichnet wird, entsteht die innere Verbindung durch Mantra und Mudra. Qigong und Reiki sind im Shingon Reiki keine getrennten Disziplinen — sie sind Aspekte derselben Praxis. So wie es bei Usui war.

Mark Hosak hat diese Verbindung nicht erfunden. Er hat sie in den Quellen gefunden — in japanischen und chinesischen Texten, in den Schriften des Shingon-Buddhismus, in der lebendigen Praxis der Tempel, die er während seiner drei Forschungsjahre in Japan besuchte. Die Verbindung zwischen Qigong und Reiki war immer da. Sie musste nur wiederentdeckt werden.

Wer Shingon Reiki praktiziert, spürt diesen Unterschied. Die Hände werden nicht einfach aufgelegt — sie werden zu Kanälen einer Kraft, die durch Atem, Meditation und Intention vorbereitet wurde. Die Symbole sind keine abstrakten Zeichen — sie sind lebendig, weil sie in der meditativen Praxis verankert sind. Und der Körper ist nicht nur Empfänger — er ist aktiv beteiligt, ein Resonanzraum für die Lebensenergie.

Dr. Mark Hosak Portrait 2026 · Begründer Shingon Reiki
Dr. Mark Hosak · Portrait 2026

Für alle, die bereits mit Reiki oder Qigong vertraut sind, öffnet Shingon Reiki eine neue Perspektive. Die vermeintlich getrennten Wege führen zum selben Gipfel. Und wer beide Seiten des Berges kennt, versteht den Berg besser als jemand, der nur eine Seite gesehen hat.

Wer tiefer in die Verbindung von Atem und Energie eintauchen will, findet im Artikel über Qigong-Atmung in der Reiki-Praxis weitere Zusammenhänge. Und wer verstehen will, was Shingon Reiki im Kern ausmacht, beginnt am besten mit der Übersicht zu Shingon Reiki.

Qigong und Reiki als Einheit

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