Bei dem Wort Heilung denken die meisten Menschen an Medizin, an Diagnose, Therapie und Laborwerte. Das ist verständlich und auch richtig so. Wenn buddhistische Texte von Heilung sprechen, meinen sie allerdings meistens etwas anderes, nämlich die Befreiung aus dem Leid, das der Buddha duḥkha nannte. Gemeint sind Unzufriedenheit, innere Zerrissenheit und das Gefühl, dass irgendetwas nie ganz stimmt. Darum geht es in diesem Artikel, und gleich vorweg: Das ist keine medizinische Behandlung und war auch nie als solche gedacht.

Yakushi-do · Yakushi-Halle des Jingoji-Tempels
Yakushi-do · Halle des Medizin-Buddhas am Jingoji-Tempel

Die drei Gifte 三毒

Der Buddha hat beobachtet, dass Leid nicht nur durch äußere Umstände entsteht, sondern vor allem durch drei innere Kräfte, die wie Gifte wirken. Im Japanischen heißen sie sandoku 三毒, „die drei Gifte“. Das sind ton 貪, die Gier, jin 瞋, der Hass oder die Abneigung, und chi 痴, die Verblendung. Zusammen liest man sie auf Japanisch tonjinchi. In der tibetischen Darstellung des Lebensrads sieht man sie in der Mitte als Schwein, Schlange und Hahn, die sich gegenseitig in den Schwanz beißen.

Mit Gier ist dabei nicht nur das Verlangen nach Dingen gemeint, sondern das ständige Gefühl, dass es nie genug ist. Hass umfasst jede Form von Ablehnung gegenüber dem, was ist, und Verblendung bedeutet, die eigentlichen Zusammenhänge nicht zu sehen. Im Buddhismus geht es darum, diese drei zu erkennen und Ebene für Ebene zu wandeln, die Gier in Großzügigkeit, den Hass in Mitgefühl und die Verblendung in Weisheit. Das ist ein lebenslanger Weg. Im Ajikan-Text des Mönchs Kakuban aus dem 12. Jahrhundert heißt diese Reinigung von den Trübungen des Herzens übrigens taiji 対治. Mehr dazu findest du im Artikel über die Ajikan.

Fudo-Myoo-Gomaho-Schrein im Kurama-Gebirge
Fudo-Schrein am Kurama

Kaji, die Verbindung mit der Kraft 加持

Im Shingon gibt es einen Begriff, der oft missverstanden wird, kaji 加持. Man übersetzt ihn mit „Segnung“ oder „Ermächtigung“. Kūkai erklärt das Wort sehr schön, indem er die beiden Zeichen auseinandernimmt. Ka 加, „hinzufügen“, steht für das große Mitgefühl des Buddha, das sich wie das Sonnenlicht im Wasser spiegelt. Ji 持, „halten“, steht für das Herz des Praktizierenden, das dieses Licht aufnimmt und hält, so wie ein ruhiges Wasser das Bild der Sonne. Anders ausgedrückt braucht es beide Seiten, die Kraft des Buddha und die Offenheit des Menschen.

Viele Menschen erleben Kaji als tief berührend, manche als Wärme oder Leichtigkeit, andere als eine Stille, die sie lange nicht gekannt haben. Diese Erfahrungen sind sehr individuell und lassen sich nicht vorhersagen.

Der Medizin-Buddha 薬師如来

Der Name von Yakushi Nyorai 薬師如来 enthält das Zeichen 薬 für Medizin. Von daher liegt es nahe, ihn für eine Art buddhistischen Hausarzt zu halten. Im buddhistischen Verständnis ist die Medizin, die er reicht, aber vor allem das Dharma, also die Einsicht in die Natur des Leidens und den Weg heraus. In Japan wird er seit über tausend Jahren in vielen Tempeln verehrt, und Menschen bitten ihn ganz selbstverständlich auch um körperliches Wohlergehen.

Mir ist der Medizin-Buddha sehr nah. Auf dem Shikoku-Pilgerweg habe ich sein Mantra bei Hitze und mit wunden Füßen immer wieder rezitiert, und eine Statue des Medizin-Buddha habe ich von meinem Professor in Kyōto geschenkt bekommen. Mehr dazu findest du in den Artikeln über den Medizin-Buddha und die Medizin-Buddha-Meditationen.

Reiki als Teil eines größeren Ganzen 三密

Reiki wird oft als Energieheilung bezeichnet. Den Begriff halte ich für ungünstig, weil er Erwartungen weckt, die in die Irre führen. Reiki ist eine spirituelle Praxis, die viele Menschen als unterstützend und wohltuend erleben, und zwar neben einer medizinischen Versorgung und nie als deren Ersatz.

Die Wurzeln, aus denen Usui schöpfte, liegen im esoterischen Buddhismus (Mikkyō) und im Shingon, im Shugendō, im Shintō und im schamanischen Daoismus. Dort war die Arbeit mit der spirituellen Kraft immer in ein größeres Ganzes eingebettet, mit Meditation, Mantra und Ritual. Im Shingon beschreibt man dieses Zusammenwirken mit den drei Mysterien (jap.: sanmitsu 三密) von Körper, Rede und Geist, also Mudra, Mantra und Vorstellung. Im Shingon Reiki gehört das Handauflegen deshalb mit diesen Ebenen zusammen. Wie das konkret aussieht, erlebt man in den Live Events.

Yakushi Nyorai · Medizin-Buddha als Lapislazuli-blaue Statue mit Medizinschale
Yakushi Nyorai · der Medizin-Buddha mit der Lapislazuli-blauen Haut
Wichtiger Hinweis

Buddhistische Praxis und Reiki ersetzen keine medizinische Behandlung. Die hier beschriebenen Praktiken sind spiritueller Natur und werden individuell sehr verschieden erlebt. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte immer an einen Arzt oder Therapeuten.

Welches der drei Gifte begegnet dir in deinem Alltag eigentlich am häufigsten?

Buddhistische Praxis

Shingon Reiki erleben

Wenn du magst, schau in Ruhe, welcher Einstieg zu dir passt.

Dein Weg in Shingon Reiki