
Kann Energie über Entfernung wirken? Kann eine Reiki-Sitzung stattfinden, wenn der Praktizierende in Heidelberg sitzt und der Empfangende in Tōkyō? Die Antwort in der Reiki-Tradition ist eindeutig: Ja. Und es gibt dafür ein eigenes Symbol, einen eigenen Namen und eine Jahrtausende alte Erklärung.
Hon Sha Ze Shō Nen – fünf Kanji, eine Philosophie 本者是正念
Das ist kein Zauberspruch. Es ist eine buddhistische Erkenntnis: Wenn der Geist in rechter Achtsamkeit ruht, ist er nicht an Raum und Zeit gebunden. Er kann sich mit allem verbinden – mit einem Menschen auf der anderen Seite der Welt, mit einem Ereignis in der Vergangenheit, mit einer Möglichkeit in der Zukunft. Nicht weil er die physischen Gesetze bricht, sondern weil Bewusstsein nicht den physischen Gesetzen unterliegt.
Die buddhistische Grundlage 縁起
Im Buddhismus gibt es ein Konzept, das alles verändert: Engi 縁起 – das abhängige Entstehen. Es besagt, dass nichts in Isolation existiert. Alles ist mit allem verbunden – durch ein Netz von Ursachen und Bedingungen, das weder Anfang noch Ende hat. Ein Stein, der ins Wasser fällt, erzeugt Wellen, die das gesamte Gewässer berühren. Nicht irgendwann – sofort.
Die Shingon-Tradition geht noch einen Schritt weiter. Im Mandala des Dainichi Nyorai ist jedes Wesen, jeder Buddha, jede Kraft mit jeder anderen verbunden. Das Mandala ist kein Diagramm – es ist eine Karte der Wirklichkeit. Und in dieser Wirklichkeit gibt es keine wirkliche Trennung. Trennung ist eine Illusion des begrenzten Bewusstseins. Wenn ein Praktizierender sein Bewusstsein erweitert – durch Meditation, durch Mantra, durch die Aktivierung eines Symbols –, kann er diese Verbindungen direkt erfahren.
Fernreiki funktioniert nicht, weil Energie „geschickt" wird. Es funktioniert, weil die Verbindung bereits existiert. Das Symbol Hon Sha Ze Shō Nen baut keine Brücke – es macht eine Brücke sichtbar, die immer da war. Der Praktizierende entfernt die Illusion der Trennung.
Wie eine Fernsitzung abläuft 実践
Eine Fernreiki-Sitzung beginnt genauso wie eine direkte Sitzung: mit Vorbereitung. Der Praktizierende zentriert sich, verbindet sich mit der Reiki-Kraft und aktiviert die Symbole. Dann wird Hon Sha Ze Shō Nen gezeichnet – und damit die Verbindung zum Empfangenden hergestellt.
Von diesem Moment an ist die Entfernung irrelevant. Der Praktizierende arbeitet mit dem Empfangenden, als wäre er im selben Raum. Er spürt Energieverschiebungen, Blockaden, Bereiche, die mehr Aufmerksamkeit brauchen. Viele erfahrene Praktizierende berichten, dass sie bei Fernsitzungen sogar feiner wahrnehmen als bei direktem Kontakt – weil der visuelle Eindruck des physischen Körpers nicht ablenkt und die reine energetische Wahrnehmung stärker in den Vordergrund tritt.
Der Empfangende muss dabei nicht unbedingt wissen, dass die Sitzung stattfindet – aber es ist sinnvoll, einen gemeinsamen Zeitpunkt zu vereinbaren. Nicht weil die Energie einen Termin braucht, sondern weil die bewusste Offenheit des Empfangenden den Prozess vertieft. Wer sich hinlegt, die Augen schließt und sich öffnet, empfängt tiefer als jemand, der gerade im Supermarkt steht.

Fernübertragung in der japanischen Tradition 遠隔
Die Idee, über Distanz zu wirken, ist in Japan nicht neu und nicht auf Reiki beschränkt. Im Shingon-Buddhismus gibt es Rituale, bei denen der Priester für einen abwesenden Menschen betet und dabei spezifische Mantras rezitiert, Mudras formt und Siddham-Zeichen visualisiert. Die Kraft erreicht den Empfangenden – unabhängig davon, wo er sich befindet.
Im Shugendō – der Tradition der Bergasketen – gibt es die Praxis des Kaji 加持 auf Entfernung: Der Yamabushi verbindet sich mit einer Schutzgottheit und leitet deren Kraft zum Empfangenden. Die Inari-Schreine in Japan bieten bis heute Ferngebete an – Kitō 祈祷 – bei denen Priester Rituale für Menschen durchführen, die nicht anwesend sind.
Fernreiki ist also keine moderne Erfindung und kein esoterischer Sonderfall. Es ist eine spezifische Anwendung eines Prinzips, das in der japanischen Spiritualität tief verwurzelt ist: Bewusstsein und Energie kennen keine räumlichen Grenzen.
Jenseits des Raumes – die zeitliche Dimension 時空
Hon Sha Ze Shō Nen überbrückt nicht nur räumliche Entfernung. Es kann auch mit der zeitlichen Dimension arbeiten. In der Praxis bedeutet das: Du kannst Reiki an ein vergangenes Ereignis senden – nicht um es zu ändern, sondern um deine energetische Beziehung dazu zu transformieren. Ein Trauma, eine Verletzung, ein Moment, der immer noch nachklingt – die Energie geht dorthin und ermöglicht Lösung.
Genauso kann Reiki an eine zukünftige Situation gesendet werden – eine bevorstehende Begegnung, eine Prüfung, eine Reise. Die Energie bereitet den Raum vor, in dem das Ereignis stattfinden wird. Nicht als Manipulation des Ergebnisses, sondern als Unterstützung der bestmöglichen Entfaltung.
Häufige Fragen zu Fernreiki 問答
Brauche ich dafür eine Einweihung? Ja. Das Symbol Hon Sha Ze Shō Nen wird im zweiten Grad von Reiki empfangen. Ohne die Einweihung fehlt die energetische Verbindung, die das Symbol aktiviert. Man kann das Zeichen zwar zeichnen, aber es bleibt eine leere Form – wie ein Instrument ohne Musiker.
Ist Fernreiki genauso wirksam wie eine direkte Sitzung? Viele Praktizierende erleben keinen Unterschied in der Intensität. Manche berichten sogar von tieferen Erfahrungen bei Fernsitzungen, weil die Konzentration stärker auf die energetische Ebene gerichtet ist. Die Wirksamkeit hängt nicht von der Entfernung ab, sondern von der Klarheit der Verbindung und der Praxis des Praktizierenden.
Kann ich mir selbst Fernreiki senden? Ja – besonders an dein vergangenes oder zukünftiges Selbst. Das ist eine der tiefgründigsten Anwendungen des Symbols. Du kannst Energie an den Moment senden, in dem etwas Schwieriges passiert ist, oder an den Moment, der vor dir liegt. In der Shingon-Reiki-Praxis wird das systematisch geübt.
Muss der Empfangende zustimmen? Es ist respektvoll und sinnvoll, um Erlaubnis zu bitten. Die Energie wirkt zwar unabhängig vom bewussten Wissen des Empfangenden, aber die Offenheit und Bereitschaft vertiefen die Erfahrung erheblich. Außerdem ist Respekt vor der Autonomie des anderen ein Grundprinzip jeder spirituellen Praxis.
Erfahre die Symbole direkt
Fernreiki ist Teil des zweiten Reiki-Grades. Erfahre die Einweihung in die Symbole – und die Fähigkeit, über Raum und Zeit zu wirken.
Dein Weg in Shingon Reiki Die Reiki-Symbole