Schamanismus

Schamanismus und Schamanen

Schamanen sind Meister der Trance und Extase. Dabei geht es ganz allgemein darum, sich mit dem Bewusstsein in einen anderen Geisteszustand zu versetzen, um von da aus in weiteren Sphären außerhalb der materiellen Ebene agieren zu können und um Kräfte von in die materielle Ebene oder zwischen den Sphären hin und her zu bewegen. Somit ist ein Schamane während der Praxis ein Reisender und einer der Visionen über andere Dimensionen erkennt

Mammutbaum bei Heidelberg - Foto von Märk Hosak 2015

Fotografie von Mark Hosak, 2015Creative Commons Lizenzvertrag

Die materielle Welt beschreibt das Profane und die anderen Sphären oder auch Ebenen als die sogenannte geistige Welt das Heilige. Von daher vermittelt der Schamane zwischen diesen Welten zwischen Menschen, Tieren, Göttern und Geistern. Diese genannten Aspekte haben offenbar alle schamanischen Traditionen und Völker, in denen Schamanismus praktiziert wurde oder heute noch angewandt wird, miteinander gemeinsam. Was sich allerdings in gewisser Weise zumindest teilweise unterscheidet, ist die Kosmologie der einzelnen Völker. In jeder Kosmologie gibt es mehrere Ebenen und Hierarchien.

Zum Prozess der schamanischen Arbeit gehört immer der direkte Kontakt mit feinstofflichen Wesenheiten, die auch Heilsgestalten genannt werden wie Götter und Göttinnen, die keinen materiellen Körper besitzen und deren Energien bzw. Schwingungen auf subtiler Ebene für den geschulten Schamanen spürbar und verstehbar sind. Über sie erfährt der Schamane es darüber, wie die Dinge der Welt in welchem Zusammenhang stehen, woran sich erkennen lässt, ob etwas im Ungleichgewicht ist und wie sich das Gleichgewicht wieder herstellen lässt, was schließlich in vielen Lebensbereichen zu Ordnung, Wohlstand und Gesundheit führen kann. Daher lässt sich hier ebenso durch die Tätigkeit des Schamanen von schamanischer Heilung sprechen.

Kosmologie im Schamanismus

Viele Kosmologien des Schamanismus sprechen davon, dass die Welt oder gar das Universum aus einem Ozean oder mehreren Flüssen entstanden sei. Von da aus sind solche Gedanken in die Schöpfungsmythen von Religionen und praktischer Magie wie die der Geheimlehren des Esoterischen Buddhismus, der Babylonier oder Kabbala der Juden.

Ein weiteres gemeinsames Phänomen der unterschiedlichen schamanischen Kosmologien ist die übliche sibirische Dreiteilung in eine Oberwelt, Unterwelt und Mittelwelt/Mittelerde, die durch einen Baum bzw. Lebensbaum miteinander verbunden sind. In der Oberwelt leben meist die Himmelsbewohner, die sogenannten Lichtwesen. In der Unterwelt leben Dunkelwesen, wobei dunkel nichts mit böse zu tun hat, sondern etwas mit der Lichtqualität in dem Sinne, dass unter die Erde kein Sonnenlicht kommt. Zu den Dunkelwesen gehören zum Beispiel die Völker der Zwerge aber auch Verstorbene oder verdrängte und verlorene Seelen, die sich mit Hilfe der Methode des Soulhuntings, der Seelenrückholung des Schamanismus zurück in die Persönlichkeit in Mittelerde eines Menschen holen lassen. In der mittleren Welt der Mittelerde leben schließlich die Menschen und Tiere im materiellen Bereich.

Somit ist der Lebensbaum, der die Drei Welten verbindet die wesentliche Säule und das wichtigste Symbol der Kosmologie des Schamanismus. Die Drei Welten sind die drei Ebenen der Wirklichkeit. Auch wenn manche die Wirklichkeit der Ober- und Unterwelt nicht kennen, so heisst das nicht, dass es diese nicht gibt. Die Baumkrone des Lebensbaumes reicht bis in die Wolken und in den Himmel. Wenn man von unten vom Stamm aus in die Wipfel eines Baumes schaut, kann man nicht alles sehen und doch ist die Welt darüber existent. Der Stamm ist Träger der mittleren Welt. Es dreht sich alles um einen Stamm. Die Wurzeln des Lebensbaumes sind die Verbindung zur Unterwelt. Auch diese lässt sich nicht ohne Weiteres sehen, weil die Sicht durch die Erde verdeckt ist.

Symbole im Schamanismus

Im Schamanismus gibt es noch weitere Symbole, die nicht nur Bereiche der Kosmologie darstellen sondern auch die Tätigkeit wie etwa das Reisen in den Sphären im Schamanismus darstellen. Dafür steht die Trommel, welche aus dem Holz des Lebensbaumes gefertigt sein sollte, als wichtigstes Ritualgerät für schamanische Astralreisen. So ist sie einerseits ein Symbol und andererseits hilft ihr Klang in eine Trance zu kommen. Jedoch lässt sich auch feststellen, dass man nicht nur mit der Trommel in die Trance und in die Fähigkeit des astralen Reisen kommt. Die Trommel ist ein Symbol, welches dafür steht, doch kann ein ausgebildeter Schamane durchaus auch ohne Trommel eine Trance einleiten.

Weitere Symbole im Schamanismus kennzeichnen die Anpassungsfähigkeit des Schamanen auf ihren Astralreisen. Die astrale Welt sind die feinstofflichen Ebenen, in die der Schamane sich im Rahmen einer Trance begeben kann. Dieser Zustand verhilft ihm dabei, seinen Körper mit der Seele, dem Geist oder gar seiner ganzen Ausstrahlung bis hin zum Lichtkörper verlassen zu können. Dabei reist der Schamane in der Regel in Begleitung eines Wesens, welches sich in der entsprechenden Welt gut auskennt. Das kann zum Beispiel eine Krafttier wie der Wolf in der Unterwelt oder der Adler in der Oberwelt sein. Wie im japanischen Schamanismus der Bergsaketen und Zauberer des Shugendô 修験道 ist es ebenso möglich, sich für die Zeit der Reise in ein solches Krafttier zu verwandeln, in das Krafttier hinein zu schlüpfen oder dieses in sich hinein zu rufen. Symbolisch werden dazu Kappen und Umhänge aus den Federn von Adlern und Eulen getragen. Diese Symbole sind die Mittel und Werkzeuge, die den Übergang in die anderen Welt im Rahmen einer Transformation erleichtern sollen.

Die Materialien der symbolischen Ritualgeräte oder auch Paraphenalien genannt, sind mit ihren Mustern und Figuren die symbolischen Verbindungen zu anderen Welten. Da der Schamane ein Vermittler zwischen den Welten ist, verbindet er sich mit der jeweiligen Umgebung, indem er sich an sie anpasst. Durch das Eingehen in eine Trance kann der Schamane die Mythen der Vorfahren als Wirklichkeit erleben und anwendbare Weisheit daraus schöpfen.

Meditation im Schamanismus

Nicht selten kommt es in schamanischen Völkern vor, dass die Schamanentrommel nach den Reittieren der materiellen Welt benannt wird, um symbolisch auf der Trommel genauso wendig wie Leben auf dem echten Tier reiten zu können. Der monotone Rhythmus ist dabei Galoppieren des Pferdes. Somit ist das Symbol der Trommel das primäre Objekt kontemplativer Meditation auf mehreren Sinneskanälen. So kann sich der Schamane über den Klang der Trommel sammeln, fokussieren und sich entschlossen der Trance hingeben, weil seine Aufmerksamkeit durch die aufsteigenden Bilder immer weiter nach innen gerichtet wird. Daher hängen Trance und Meditation eng miteinander zusammen. Trance ist immer ein Zustand der Meditation. Von daher ist ein Trance-Meister auch ein Meditation-Meister.

Wird zudem noch der Tanz mit hinzugenommen, kann die Trance umso tiefer werden. Wichtig ist allerdings die wahrhaftige Hingabe und das Aufgeben möglicher antrainierter Tanzschritte. So lässt sich leicht erkennen, ob jemand wirklich in Trance ist oder ob er diese spielt.

Schamanismus und Drogen

In einer echten meditativen Trance verändert sich das Zentralnervensystem des Schamanen in einen traumähnlichen Zustand, in dem Raum und Zeit anders wahrgenommen werden. Dies alles ist ohne psychedelische Drogen möglich. Nun ist es in manchen westlichen Kreisen üblich anzunehmen, dass wahre schamanische Fähigkeiten nur durch Drogen erreicht werden können. Zu solchen Fähigkeiten gehört zum Beispiel der Seelenflug des Schamanen. Das ist jedoch ein großer Irrtum und hängt mit speziellen Gefahren zusammen. Sobald Drogen genommen werden, ist der Betroffene nicht mehr in der Lage seinen Zustand zu kontrollieren. Er kann auch nicht von Begleitern da wieder herausgeholt werden, solange die Droge noch wirkt. Die Dinge passieren einfach, ohne dass mans selbst etwas tun kann. Es wird eine Art Schallmauer durchbrochen und man erlebt viel, braucht jedoch immer wieder die Droge, um es zu wiederholen.

Wie bei den Symbolen und Ritualgeräten braucht ein wahrhaftiger Schamane diese Mittel nicht und hat sich durch Training Kenntnisse und Fähigkeiten angeeignet, die ih keiner mehr nehmen kann und sie sein Leben und seine gesundheit sowie das der Umwelt bereichern.

Zum einen gibt es in der alten Welt nur eine Handvoll von psychedelischen Drogen wie etwa Ayahuasca, Cape, Yage, Ololiuhqui, Peyote-Kaktus Psilocybe mexicana in Nord- und Südamerika oder Fliegenpilz und dergleichen in Europa. In der neuen und modernen Welt allerdings gibt es hunderte von Drogen, die teils aus den Pflanzen synthetisiert werden und damit viel stärker sind als die aus alten Zeiten. Durch die Mischung mehrerer Drogen kann es zudem dazu kommen, dass der Anschein erweckt wird, dass die alten Drogen nicht mehr wirken und dann überdosiert werden.

Das Hauptproblem sind jedoch die negativen gesundheitlichen Wirkungen auf Körper und Psyche. Neben Schwindel kann es zu Herzproblemen, und Schädigungen wie etwa der Leber und Nieren kommen. Auch die Zirbeldrüse wird dadurch in ihrer Funktion geschwächt, so dass es zu geringerer Ausschüttung von Hormonen kommt, die das Leben lebenswert erscheinen lassen, weil der Körper denkt, dass er das nun von aussen bekommt. Hinzu kommen mögliche Echo-Trips, die noch Jahre später wie aus dem Nichts erscheinen können und nicht selten die Ursache für Unfälle oder andere Krankheiten darstellen.

Trance im Schamanismus

Die Trance als veränderter Zustand des Bewusstseins und willentlich hervorgerufene psychische Dissoziation, hervorgerufen durch eine konkrete Technik ist die große Gemeinsamkeit des Schamanismus in den unterschiedlichen Kulturen.

Die Dissoziation ist das Wandern des Bewusstseins von der Alltagswelt in Welt des Unbewussten wie etwa der Träume, Bilder und Gedanken. Das gleiche lässt sich jedoch auch von Epileptikern und Schizophrenen sagen. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass der Schamane vorher weiss, wann er in die Trance geht, was er da vorhat und sich auch nach Belieben wieder da raus bewegen kann und die ganze Zeit bei vollem Bewusstsein ist.

Der Schamane ist quasi wie ein Mediator, der bei vollem Bewusstsein sowohl hier als auch da sein kann und zwischen den Welten vermittelt. Ein Medium hingegen verliert das Bewusstsein vollständig durch das in sich Rufen einer Wesenheit oder Eingehen in eine Wesenheit oder Welt unter Verlust des Bewusstseins und der Kontrolle, wie es in manchen okkulten Logen praktiziert wird. Kehrt das Medium in den eigenen Körper zurück oder weicht die Wesenheit vom Medium, kann sich dieses danach an nichts erinnern. Der Schamane hingegen kann sich an alles Erfahrene zumindest für eine Weile erinnern und auch die spirituellen Botschaften überbringen und deuten und die Kenntnisse der spirituellen Heilung währenddessen oder nachher anwenden.

Es gibt viele Techniken zum Hervorrufen einer Trance. Das sind Kontemplation und Meditation, Schlafmangel, Atemtechniken, Fasten und ritualisierte Handlungsabläufe in Bezug zu einer Mythologie, wie etwa das Entzünden einer Kerze.

Spätestens ab hier beginnt nun ein anderer Bereich, nämlich der der Magie. Dazu wird in Kürze ein Artikel folgen und hier verlinkt.

 

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