26.05.20

Liebe Reiki-Freunde,

zur Zeit gehen die emotionalen Wellen hoch, da unser geschätzter Kollege Mark Hosak ganz offen Ferneinweihungen durchgeführt hat. Dadurch hat er sich den Unmut, um  nicht zu sagen, den Zorn einiger Reiki-Funktionäre zugezogen, und man hat ihn deswegen sogar aus Verbänden ausgeschlossen.

Dazu ein paar Gedanken von mir.

Ferneinweihungen galten seit jeher als unseriöse, weil man ja nicht kontrollieren kann, welche Kompetenz ein „Meister“ hat, der sich übers Internet anpreist. Und auf seiner Website kann einer ja viel behaupten. Und zu Usuis Zeiten waren sie gänzlich unüblich – so viel wir wissen.

Gerade in den Anfängen des Reiki, in den USA, in Europa und Deutschland Anfang der 80er, wurde streng darauf geachtet, dass ein Meister seine Linie bis auf Mikao Usui zurückführen kann. Dies sollte gewährleisten, dass der Schüler wirklich eine echte, eine Original Usui-Einweihung erhielt. Und dies sollte auch so bleiben.

Nachdem Phyllis Furumoto ihre Erlaubnis gegeben hatte, dass jeder von ihr eingeweihte Reikimeister seinerseits wieder Meister einweihen und ausbilden durfte, verbreitete sich Reiki sehr schnell. Und es dauerte nicht lange, da tauchten alle möglichen Arten Von Reiki auf, die zwar laut ihren Anbietern funktionierten, sich zumindest teilweise aber nicht auf Usui zurückführen liessen. Es gab Ferneinweihungen, Schnelleinweihungen, „Meister“, die ihre Schüler an einem Wochenende in alle Grade einweihten; es tauchten neue Symbole auf, es gab zusätzliche Grade usw.

Bei solchen Entwicklungen war es ganz natürlich, dass sich Meister, die sich dem Original Usui System verpflichtet fühlten, in Vereinen und Allianzen zusammenfanden, und Regeln, Strukturen und einen Ehrenkodex ins Leben riefen, um die Lehre rein und unverfälscht zu halten, und daran ist zunächst mal auch nichts auszusetzen.

Ich kann mich noch gut an meine ersten Einweihungen erinnern, die ich damals (1993) von Brigitte Müller erhielt. Zwar mussten die Fenster nicht zugehängt werden, aber Brigitte sagte uns, dass Reiki eine „orale Tradition“ sei; wir durften im Unterricht nicht mitschreiben, erhielten keine Manuale, und die Symbole des 2. Grades mussten wir in einer (!) Nacht auswendig lernen, wir bekamen sie nicht auf Papier ausgehändigt.

Damals hiess es noch, dass Mikao Usui ein christlicher Mönch gewesen sein, der an der Doshisha Universität gelehrt hatte. Es gab alle möglichen Geschichten um die Entstehung des Reiki und nur ein paar wenige Bücher, in denen mehr oder weniger dasselbe zu lesen war.

Dank einiger Kollegen, die intensive Nachforschungen über die Geschichte des Reiki betrieben haben, auch vor Ort in Japan, und unter anderem Mark Hosak, den ich hier stellvertretend nenne, wissen wir heute viel mehr über Reiki, als noch in den 80ern. Irrtümer konnten aufgeklärt werden und neue Erkenntnisse kamen hinzu – zum Beispiel, dass Usui auch mit Kristallen gearbeitet hatte.

Was ich damit sagen will, ist dies: Die Zeiten haben sich geändert, und auch Reiki hat sich geändert, und ich meine durchaus nicht zum Schlechteren.

Leben bedeutet Wachstum, bedeutet Veränderung und Entwicklung.

Traditionen und ihre Verehrung und Reinhaltung haben ihre Berechtigung, aber wenn man sie für die Ewigkeit in Stein meisselt, verschliesst man sich neuen Erkenntnissen und dem Fortschritt.

Bei den Azteken war es zum Beispiel Tradition, Menschen zu opfern, ihnen rituell das Herz aus der Brust zu schneiden und der Sonne zu opfern, um den Fortbestand der Welt zu sichern. Wollen wir uns diese Tradition zurückwünschen? Sicher nicht.

Die katholische Kirche hält starr an ihren Traditionen und Dogmen fest. Ihre Priester müssen zölibatär leben, und Frauen ist das Priesteramt verwehrt. Und sie hat auch das Monopol auf „Wunderheilungen“. Natürlich kann die katholische Kirche noch lange so weiter machen, aber was sind die Folgen? Sie verliert ständig an Mit-gliedern, weil die Menschen spüren, dass diese Kirche nicht mehr zeitgemäss ist, ganz zu schweigen davon, dass sie sich wahrer Spiritualität verschliesst, die man von Religion fein differenzieren muss. Viele Kirchen stehen heute schon leer. Und es gab im Mittelalter die Inquisition (heute die Kongregation), die Abweichler und Anders-denkende gnadenlos verfolgte.

Zurück zu den verpönten Ferneinweihungen. Wir wissen heute (!), dass sogar Hawayo Takata einmal eine Ferneinweihung vollzogen hat – ausnahmsweise. Ansonsten hat sie persönlich Einweihungen mit Handauflegen vollzogen, wie es eben üblich ist.

Und nun kommt Mark Hosak (2020) und macht Ferneinweihungen – und ein Shitstorm bricht über ihn hinein.

Ich kenne Mark seit vielen Jahren und habe eine Menge Seminare bei ihm absolviert und auch sehr viele Einweihungen von Hand erhalten, genau gesagt: Immer von Hand! Ich kenne ihn als einen Menschen, der die Traditionen achtet und sich trotzdem neuen Erkenntnissen nicht verschliesst, der seriöse Forschungsarbeit betreibt und alles sorgfältig prüft, bevor er es in seinen Seminaren anbietet. Er ist über die Grenzen von Deutschland bekannt, als Referent sehr geschätzt, und seine Publikationen über Reiki sind Meilensteine. Ich denke, eine Vielzahl von Euch kennen sie.

Mark gehört zu den Meistern, die Reiki nicht nebenberuflich praktizieren, sondern hauptberuflich. Er ist daher auf die Einkünfte von seinen Seminaren angewiesen.
Nun haben wir aber die Corona-Pandemie. Bis vor kurzem waren Versammlungen von Menschen, also auch Gruppen in Seminaren, völlig verboten.

Und da hat Mark aus der Not eine Tugend gemacht und Ferneinweihungen angeboten – mit dem Versprechen, dass später jeder Teilnehmer nochmal in einem echten Seminar eine Einweihung von Hand kostenfrei bekommen würde. Das ist absolut seriös.

Hat er damit die Tradition verletzt? Eindeutig ja. Hat er ein Tabu gebrochen? Eindeutig ja. Hat er es verdient, dass er dafür unangespitzt in den Boden gerammt wird? Eindeutig nein!

Ja, Mark hat etwas Verbotenes getan, gegen Regeln verstossen und so gewissermassen den Geist der Inquisition geweckt. Doch muss man bedenken, dass er diese Ferneinweihungen ja nicht aus Jux und Dollerei angeboten, sondern aus existenzieller Not heraus gehandelt hat. Wie gesagt: Ich kenne Mark seit vielen Jahren; die Einweihungen von Hand waren und sind bei ihm Standard und werden es sicher auch bleiben.

Man kann es ja auch mal so sehen: Mark Hosak hat wieder einmal sehr nützliche Forschungsarbeit geleistet! Wir wissen nun, dass Ferneinweihungen funktionieren
(obgleich wir das eigentlich seit Hawayo Takata wissen). Und wenn sie funktionieren, kann man sie auch machen – wenn es denn nicht anders geht, wie in diesen Corona-Zeiten.

Ich bin absolut der Meinung, dass die klassischen Einweihungsseminare von Hand der Standard bleiben sollen, und ich weiss, dass Mark das genauso sieht. Die Gemeinschaft in der Gruppe, der Austausch untereinander und vor allem das gegenseitige Handauflegen, sind bei einen Onlinekurs ja gar nicht machbar. Sie können daher immer nur ein Provisorium bleiben. Im Übrigen sind Onlinekurse in diesen Tagen gar nichts exotisches mehr.

Viele von Euch, die dies jetzt lesen, kennen Mark wie ich seit Jahren. Ich bin der Meinung, dass ob seines „Vergehens“ überreagiert wurde. Es wäre besser, wenn man sich in Ruhe mit dem auseinandersetzt, was inhaltlich geschehen ist: Mark Hosak hat Ferneinweihungen gegeben und sie haben funktioniert. Wir haben alle wieder etwas gelernt. Er hat definitiv kein Schwerverbrechen begangen.

Andererseits hat er gegen bestehende Regeln verstossen. Nun denn. Vielleicht wäre dies ein geeigneter Zeitpunkt, in Ruhe über die Zukunft von Ferneinweihungen zu sprechen und neue Regeln zu erarbeiten, wann, und unter welchen Umständen sie gemacht werden dürfen.

Ganz bestimmt wünsche ich mir keinen Wildwuchs dergestalt, dass nun plötzlich Meister wie Pilze aus dem Boden schiessen und bequeme Ferneinweihungen für das heimische Sofa anbieten. Das will ich nicht! 
Was ich mir hingegen wünsche, sind konstruktive Diskussionen in friedlicher Atmosphäre. Mark hat ein neues Kapitel in der Geschichte des Reiki geschrieben; vielleicht für den einen oder anderen ärgerlich, aber es ist nun einmal so. Wie können wir also nun mit dieser „neuen“ Möglichkeit der Ferneinweihung umgehen, und wie können wir sie regulieren?

Reiki hat sich in diesen Tagen geändert, ist wieder um eine Facette reicher geworden, und wir sollten nicht in inquisitorisches Denken und Handeln (zurück) fallen und das Neue, Unbequeme in den Boden stampfen.

Und ich meine, alle Beteiligten sollten sich darüber Gedanken machen, wie man Mark Hosak, der keinem etwas Böses wollte, rehabilitieren kann und sich fragen, ob man mit dem Verhalten ihm gegenüber nicht übers Ziel hinausgeschossen ist.

Dies, liebe Leute, sind meine Gedanken zu den Ferneinweihungen, und ich würde mich freuen, wenn sie als Grundlage für einen konstruktiven, freundlichen Austausch dienen könnten. Lasst uns Neues zulassen und den Geist der Inquisition überwinden!

Falk-Michael Moog, Basel

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